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Der heilige Nikolaus lebte in Myra,

heute Türkei.

Er setzte sich ein für Menschen in Not und für Gerechtigkeit.

So überschrieb ich vor Jahren ein Blatt, das wir Anfang Dezember beim türkischen Gemüsehändler in der Nachbarschaf auslegten. Er hatte einen „Nikolaus“ engagiert und wollte dafür Werbung machen, dass er am Nikolaustag kommen und die Kunden, vor allem die Kinder, beschenken würde. Das Blatt wies auf eine der vielen heutzutage wenig überlieferten Episoden aus der Nikolauslegende hin. Schade, dass dieser Heilige durch die kapitalistische und konsumistische Vereinnahmung  fast völlig seine Konturen verloren hat. Hier der Text des damaligen Flugblattes, die Überlieferungslage ist allerdings noch etwas komplizierter als sich darauf darstellen ließ, so scheint die Nikolausfigur aus Verstücken mehrerer Heiliger zusammengesetzt zu sein.

Der heilige Nikolaus …

Geboren in Patra wurde Nikolaus um 300 Bischof von Myra, heute Demre, Türkei. Während einer Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefol-tert. 325 nahm er am 1. Konzil von Nicäa teil. 200 Jahre nach seinem Tod verbereite sich seine Verehrung von Griechenland aus. Der Name Nikolaus setzt sich aus zwei griechischen Worten zusammen: nicos: Sieg, laos: Volk, also Sieg des Volkes. – Verbreitete Legenden über Nikolaus erzählen: In einer verarmten Familie verhinderte er durch Geldgeschenke, die er heimlich durchs Fenster warf, dass der Vater seine drei Töchter an Männer verkaufte. – Bei einer Hungersnot in Myra erbat Nikolaus von jedem der für den Kaiser in Rom bestimmten Schiffe im Hafen 100 Maß Weizen und versicherte, dass durch sein Gebet nichts bei der Ablieferung fehlen werde. So wurde die Hungersnot abgewendet. – Dieser Tage, wo wir Nachrichten über Krieg und Geiselnahmen im Irak hören, ist eine Geschichte aktuell, die davon erzählt, wie Nikolaus sein eigenes Leben für andere einsetzt:

… und der ungerechte Stadthalter

Einst hatte der Stadthalter von Myra Bestechungsgelder angenommen und befohlen, drei Bürger der Stadt durch das Schwert töten zu lassen. Bischof Nikolaus wurde von einer Reise eilig zurückgerufen, um den ungerecht Verurteilten zu helfen. Doch diese waren bereits auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte. Schnell lief der Bischof hin. Der Scharfrichter hielt sein Schwert schon in der Hand. Nikolaus sprang zu ihm hinauf, entriss ihm das Schwert und schleuderte es weit fort. Ich bin bereit, an Stelle der Unschuldigen zu sterben, rief er. Keiner wagte es, ihm entgegen zu treten. Er befreite die Gefangenen und brachte sie in die Stadt zurück.
Nun eilte der Bischof zum Stadthalter und pochte an dessen Tor. Dieser kam heraus und begrüßte ihn mit einem Kniefall. Doch Nikolaus sagte wütend: „Obwohl du Unschuldige töten lässt, kommst du mir unter die Augen! Ich werde deine Verbrechen dem Kaiser melden!
Da flehte der Stadthalter den Bischof an: „Nicht ich bin schuldig, sondern meine Beamten, die eine falsche Anklage erhoben haben.“
Doch Nikolaus erwiderte: „Nichts davon! Zweihundert Goldpfund hast du angenommen, um dafür diese drei Männer gemein zu beseitigen. Und er brachte den Stadthalter dazu, seine Schuld einzugestehen und das Recht wiederherzustellen.“


Michael Stipe …

…. spricht den Namen des gegenwärtigen US-Präsidenten nicht aus. Er nennt den 45. Präsidenten der USA nur noch Nummer 45, sagte der ehemalige R.E.M-Sänger der Welt am Sonntag. Jedes Mal, wenn man den Namen nenne, werde derjenige, dessen Namen er nicht nenne, größer und größer. „Wir müssen es schaffen, von ihm wegzuschauen“, sagte Stipe.


Friedensdenkmal

Gestern war ich nach dem Einführungsgottesdienst der neuen Pastorin der Mennonitegemeinde Weierhof noch auf dem dortigen Friedhof. Dort gibt es seit dem 12.11.17 ein Friedensdenkmal. Es besteht aus drei Grabsteinen, deren Inschriften schon arg verwittert waren. Sie sind um einen Baum gestellt und tragen auf Metallplatten neue Inschriften: Den Opfern aller Kriege – O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens – und ein längeres Zitat von Menno Simons, hier auf dem Foto zu sehen:

Ein Friedensdenkmal ist sicher eine gute Sache. Seit 72 Jahren leben wir ja nun in Frieden hierzulande. Zwar gab es einen „kalten Krieg“, mit der Androhung totaler Vernichtung von beiden Seiten – ein paar US-Atomwaffen liegen zur Sicherheit noch in deutschen Landen. Zuvor waren Mennoniten in zwei Weltkriege gezogen. Ein Kontext, den das neue Friedensdenkmal nicht reflektiert, der mit den Gedenktafeln an die Gefallenen der Weltkriege zuerst aus der Kirche in die kleine überdachte Friedhofsecke „die Lehr“ verdrängt und nun von dort ins Archiv ausgelagert wurde. Auf den Tafeln werden die Opfer genannt, zumindest soweit es junge Männer waren. Junge Männer, die von ihrer Gemeinde wohl wenig erfahren hatten von den christlich-pazifistischen Überzeugungen eines Menno Simons, die nun auf dem Friedensdenkmal zitiert werden. – 100 Jahre vor der Einweihung des Weierhöfer Friedensdenkmals starb das 22jährige Weierhöfer Gemeindeglied Ernst Wohlgemuth aus Albisheim im 1. Weltkrieg. Sein Name und seine Lebensdaten waren auf einer der Gefallenentafeln vermerkt. Ein konkretes Datum des Erinnerns, der Besinnung? Die Schatten der Gefallenentafeln sind noch zu sehen in „der Lehr“, dem ersten Versammlungshaus der Gemeinde aus dem 17. Jahrhundert. Was wurde und wird gelehrt in mennonitischer Gemeinde? Welche Lehren ziehen wir aus historischem Versagen? Wo drohen wir heute zu versagen?

Die Schatten der mennonitischen Geschichte sind im neuen Friedensdenkmal nicht zu sehen. Es mag schwierig sein, ein Denkmal zu gestalten, das diese Schatten integriert. Aber was bringt ein ahistorisches Erinnern „allen Opfern aller Kriege“?

 


Jetzt ist es amtlich

Im „Heimatkalender“, gerade dem Amtsblatt der Verbandsgemeinde Göllheim (Pfalz) beigelegt, ist es jetzt quasi amtlich: Der 31. Oktober ist „Reformationstag/Halloween“. Logisch, wenn man die Veranstaltungslandschaft rund um Göllheim vor vier Wochen beobachtete. Trotz Reformationsjubeljahr gab es wesentlich mehr und besser besuchte Halloweenpartys als Reformationsgottesdienste. Dabei sollte doch der Reformationstag als bundesweiter Feiertag gefeiert werden, offiziell und von Staats wegen. Es lebe die Religionsfreiheit!

 


oder: Warum die Debatte um die Herxheimer „Hitlerglocke“ am Wesentlichen vorbei geht

 

Von Christian Morgenstern, 6. 5.1871 – 31.3.1914, ist ein Gedicht mit dem Titel „Die Schwestern“ überliefert.  ein  Streitgespräch von Glocke und Kanone. Ich habe es vor 17 Jahren um einen Vers ergänzt, der darauf aufmerksam macht, dass schon seit es Kanonen gibt, die Kirchenglocken als strategische Metallreserve der Armeen dienen. Im 1.Weltkrieg, den Morgenstern nicht mehr erleben musste, wurden etwa 65.000 deutsche Glocken eingeschmolzen. Im 2.Weltkrieg wohl kaum weniger. Sind die in jedem Kirchturm vorhandenen Glocken nicht ein handgreifliches Symbol für die Symbiose von Kirche und Staat. Mehr als ein Symbol. Das Metall, das im Frieden dem Lob Gottes und dem Ruf zum Gebet dient, ermöglicht im Krieg das Töten der Feinde. Wie sieht es angesichts der heutigen Waffentechnik damit aus? Und würden sich Kirchengemeinden heute weigern, ihre Glocken für Kanonen herzugeben? In bisherigen Kriegen haben es einige wenige getan. Was ist eine wie auch immer geartete einzelne Glockeninschrift gegen diese flächendeckende militärische Funktion der Kirchenglocken? Sollte im Ernstfall gar auch diese Glocke dagegen verteidigt werden, zur Kanone gemacht zu werden?

 

Die Schwestern

Die Kanone sprach zur Glocke:
„Immer locke, immer locke!

Hast dein Reich, wo ich es habe,
hart am Leben, hart am Grabe.

Strebst umsonst, mein Reich zu schmälern,
bist du ehern, bin ich stählern.

Heute sind sie dein und beten,
morgen sind sie mein und – töten.

Klingt mein Ruf auch unwillkommen,
keiner fehlt von deinen Frommen.

Und wenn dem Felde fehlt das Eisen,
wird man dich vom Turme reißen.

Beste, statt uns zu verlästern.
Laß uns einig sein wie Schwestern.

Drauf der Glocke dumpfe Kehle:
„Ausgeburt der Teufelsseele,

wird mich erst der Rechte läuten,
wird es deinen Tod bedeuten.“

Christian Morgenstern
(Str. 6 ergänzt von WK, 3.10.1990)

 



Oder wie eine Kampagne der Evangelischen Landeskirche in Baden zum Reformationsjubiläum den Teenager Luther zum Autor der Heiligen Schrift macht

Es war im Schaukasten einer badischen ev. Kirchengemeinde, wo ich vor Monaten dieses Plakat zum ersten mal sah. Ein arg verschlankter und zum Teeenager verjüngter Luther mit Sprechblase. „Wo der Geist Christi ist, da ist Freiheit.“ Und in der Sprechblase, damit es keine Missverständnisse gibt, wird auch der Autor genannt: Martin Luther, Reformator, Wittenberg. Eigentlich unüblich im Comic. Ein Lutherzitat soll zeitgemäß unters Volk gebracht werden. Ein Lutherzitat? Den Eindruck erweckt zumindest das Plakat und auch auf der Netzseite der badischen Landeskirche wird Luther als Urheber ausgewiesen. Zumindest wird das im Text nirgends dementiert. Im Gegenteil, es wird auf seine so große Freiheitsliebe hingewiesen: „Der Freiheitsgedanke hat für den Reformator Martin Luther eine wichtige Rolle gespielt. ‚Von der Freiheit eines Christenmenschen‘ lautet der Titel einer seiner bedeutenden Schriften. Darin sagt Luther, dass Freiheit im christlichen Glauben gründet. Die Reformation trug in den zurückliegenden 500 Jahren viel zum heutigen Freiheitsverständnis bei.“

Dann wird dazu aufgefordert, Botschafter der Kampagne „Ich bin so frei“ zu werden und Fotos, Statements, Sätze, Videobotschaften zum Thema Freiheit einzusenden. Was anscheinend tatsächlich auch 11 Leute getan haben, darunter Finanzminister Schäuble – aber ach, das ist wohl ein bestelltes Grußwort zum Kampagnenstart. Inwiefern die anderen Beiträge authentisch sind, lässt sich nicht feststellen. Es geht darin um einen Unternehmer, der christliche Werte auch im Unternehmen achten will. Gut so! Er trägt ein Leibchen mit der Aufschrift „Ich bin so frei!“ – Eine Frau arbeitet in der Vesperkirche für Wohnsitzlose mit. Gut so! Auch sie trägt ein Leibchen, durch den Bildausschnitt ist allerdings nur „Ich“ zu sehen. – Ein Mann steht in einem Kornfeld und meint, er sei frei, wenn er in der Natur stehe. Er gibt sich als Bauer zu erkennen, der zwar säe und arbeite, aber doch für die Ernte auf Gottes Hilfe angewiesen sei. So sei es auch im sonstigen Leben. Darum brauche er keine Angst zu haben. Gut so! Diesmal ist das rote Leibchen gut zu sehen. – Am Anfang und am Ende jedes Spots taucht übrigens jeweils ein weißes Lutherporträt auf rotem Grund auf und der Schriftzug „ICH BIN SO FREI“. – Eine Kulturwissenschaftlerin plädiert dafür, auch in digitalen Welten, Gott zu begegnen. Sie sei frei, auch zu zweifeln. Gut so! – Ein LKW-Fahrer steht im roten „Ich-bin-so-frei-Laibchen“ neben seinem LKW und spricht über Stopps in Autobahnkirchen und mehr oder weniger Verständnis bei Kollegen. Gut so! – Eine Bildungsreferentin, die Entwicklungsdienst gemacht hat, philosphiert über die Relativität von Armut und Reichtum und wie wichtig das Teilen sei. Gut so! – Ein Ehepaar bezeugt das Gute einer kirchlichen Trauung und den darin zugesprochenen Segen. Gut so! – Ein Pärchen, bei ihr ist das „Ich bin so frei“ durch einen Schal verdeckt, lobt das Singen in der Jugendkantorei. Musik gebe Freiheit! Gut so! – Ein Ehepaar lobt das Lesen der Losungen am Morgen und das Beten in schwierigen Situationen. Der Glaube mache sie frei, Konflikte anzugehen. Gut so! – Und Schäuble macht der Glaube frei zu Entscheidungen, weil man nur eine „vorläufige Verantwortung“ habe. Auch ok!

Nur, warum sagt weder das Plakat noch die Netzseite, dass das Zitat „Wo der Geist Christi ist, da ist Freiheit“ und seine Verkürzung auf roten T-Shirts KEIN ZITAT MARTIN LUTHERS ist. Es stammt vielmehr von Paulus aus dem 2. Korintherbrief, Kapitel 3, Vers 17b: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit!“ Ein Bibelzitat wird als Lutherzitat ausgegeben. Wie daneben ist das denn? Vor 100 Jahren hätten vielleicht viele derjenigen, die damals noch flächendeckend in evangelischen Gegenden und Milieus den Konfirmandenunterricht besuchten, das Zitat zuordnen können. Doch heute in unserer Zeit weitgehender religiösen und biblischen Bildungsverlustes und Traditionsabbruches? Nichts gegen locker flockige Plakate, auch nichts gegen nicht ganz so lockere Videos und das darin transportierte mehr oder weniger glaubensstarke Zeugnis, aber alles oder doch ziemlich viel dagegen, den Dr. Luther vom Übersetzer der Schrift sogar zum Autor der Schrift zu machen.

Ob Luther wirklich zum Freiheitshelden taugt? Die Vorläufer des Bauern im Kornfeld hätten dazu wohl einiges zu sagen. – Ach ja, im Kontext des zitierten Halbverses geht es bei Paulus um eine komplexe Diskussion über das Verhältnis des „alten“ und des „neuen“ Bundes. Wenn ich dazu die Wirkungsgeschichte gewisser Schriften Luthers mitdenke, dann wird der lockere Umgang mit Luthers „Freiheit“ und die Reduktion auf eine T-Shirt-Weisheit doch sehr fragwürdig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Ein Ostergottesdienst wird gesprengt

Erinnerung an die Osterversammlung der Täufer 1528 

Mittwoch 12.4 17, 19 Uhr, Hinterer Lech 2, Augsburg

Vom Tod zum Leben: Der Weg des Hans Leupold  

Dienstag, 25.4.17, 18.00, Zukunftsdenkmal am Fuß- und Radweg vom Klinkertor zum Eisstadion, Augsburg

Augsburg, 12. April 1528. Am Ostersonntag in aller Frühe versammeln sich im Haus von Susanna und Hans Daucher hundert Männer und Frauen. Sie wollen miteinander die Auferstehung Christi feiern. Doch die Versammlung ist illegal. Nach anfänglicher Duldung können sich die „Gartengeschwister“ inzwischen nur noch im Geheimen treffen. Zwölf Personen verlassen die Versammlung vorzeitig. Die Stadtwache umstellt das Haus und verhaftet achtundachtzig Täuferinnen und Täufer. Alle werden verhört, die Auswärtigen bald ausgewiesen.

… in den Versammlungen sei nur das Wort Gottes vorgelesen und gelehrt worden.                                  Verhörprotokoll der Maxentia Wissinger, April 1528

Die Augsburger unter ihnen werden noch länger „gütlich und peinlich befragt“, also ohne und mit Folter verhört. Dorothea Fröhlich, Scholastika Stierpaur und Thomas Paur erhalten ein Kreuz auf die Wange gebrannt. Strafe dafür, dass auch sie ihr Haus für Versammlungen geöffnet hatten. Elisabeth Heggenmiller wird die Zunge herausgeschnitten, weil sie Gott gelästert habe. Der Prediger Hans Leupold wird zum Tod verurteilt. Auch die Hausherrin Susanna Daucher wird zu einem Brandzeichen „auf den Backen“ verurteilt. Doch weil sie schwanger ist, wird ihr das „aus Gnaden“ erlassen. Am 21.4.1528 wird sie ausgewiesen. Ihre beiden kleinen Söhne muss sie zurücklassen. Dutzende andere Verurteilte werden „aus der Stadt gehauen“.

Zum Jahrestag des Geschehens werden die Namen der Ostern 1528 Verhafteten und Verurteilten verlesen. Sie sind in den Verhörprotokollen im Augsburger Stadtarchiv überliefert.

Die andere Reformation

Gartengeschwister wurden sie in Augsburg genannt. Um die 1000 sollen es zwischen 1526 und 1528 gewesen sein. Von ihren Gegnern wurden sie als Ketzer, Aufrührer, Wiedertäufer, Schwärmer, Himmelsstürmer, neuer Tauforden oder neue Möncherei diffamiert. Die historische Forschung spricht heute von Täuferbewe-gung oder „radikaler Reformation“.

Sie übten Kritik an der Säuglingstaufe und wollten wie die  frühe  Kirche  nur  Erwachsene  taufen. Die Taufe sahen sie als Zeichen der Entscheidung, Jesus nachzufolgen. Viele verweigerten der Obrigkeit den Waffendienst, weil sie Jesu Gebot der Feindesliebe ernstneh-men wollten. Das machte sie bei den Mächtigen nicht beliebter. Vom Augsburger Stadtrat und der offiziellen Reformation in den Untergrund abgedrängt, wurden sie schließlich gewaltsam vertrieben. Fast überall im „Heiligen Römischen Reich deutscher Nation“ waren sich die entstehenden lutherischen und reformierten Kirchen mit der katholischen  Kirche und den jeweiligen Landesherren einig: Als „Aufrührer“ und „Gottes-lästerer“ müssen die Täufer kriminalisiert, verfolgt und vernichtet werden. Luthers Mitarbeiter Philipp Melanchthon verdammte die „Wiedertäufer“ im Augsburger Bekenntnis in vier Artikeln. Ein gemeinsames Feindbild sollte Brücken bauen zur katholischen Religionspartei. In Gutachten empfahl Melanchthon die Todesstrafe für halsstarrige Täufer.

Augsburg war neben Straßburg ein Hauptzentrum der Täuferbewegung. Erst 1926 gibt es in Augsburg mit den Mennoniten wieder eine täuferische Gemeinde, benannt nach dem niederländischen Predi-ger Menno Simons, 1496-1561. Seit dem 19. Jahrhundert gibt es hierzulande Baptisten- und freie evangelische Gemeinden. Sie verdanken Taufverständnis und andere Impulse der Täuferbewegung. Ebenso die Anfang des 20. Jahrhunderts entstehenden Pfingstgemeinden und andere Freikirchen.

Wenig war bisher in den Jubiläumsveranstaltungen „500 Jahre Reformation“ von diesem damals unterdrückten Flügel  der  Reformation  die  Rede.  Das soll sich in Augsburg ändern. Eine Veranstaltungsreihe will  an die Anfänge der Täuferbewegung erinnern und nach heutigen und zukünftigen Herausforderungen fragen.

„Komm, folge mir nach!“ lautet die Einladung Jesu seit bald 2000 Jahren. Im Ruf nach Kirchenreform wurde sie vor 500 Jahren neu gehört. Wie antworten wir auf diesen Ruf heute?

Renewal 2027: Eine Dekade der Erinnerung und Erneuerung

Im Februar 2017 tagten in Augsburg die Leitungsgremien der Mennonitischen Weltkonferenz. Sie fragten nach der Bedeutung der Bibel und eröffneten eine neue Reformationsdekade. Von 2017 bis 2027 soll jedes Jahr unter ein bestimmtes Thema gestellt und in einem anderen Kontinent eröffnet werden. Den Anfang macht 2017/2018 mit dem Thema „Erneuert durch Das Wort“. Der Schwerpunkt liegt auf der „radikalen Reformation“, doch sollen nicht nur täuferisch-mennonitische Gemeinden, sondern alle Kirchen eingeladen werden.

In dieser neuen Reformationsdekade liegen wichtige Erinnerungsdaten der Täuferbewegung:

21.1.1525, Zürich, erste Bekenntnistaufe

24.2.1525, Schleitheimer Bekenntnis

20.5.1527, Michael Sattler in Rottenburg verbrannt, Margarete Satter im Neckar ertränkt.

20.-24.8.1527, Augsburg, Versammlung von Täufern aus Süddeutschland, Österreich und Schweiz.

Viele weitere Daten ließen sich nennen. Doch es soll nicht nur um Erinnerung gehen, sondern aus der Erinnerung um innere und äußere Erneuerung aus dem Geist Gottes.

Die andere Reformation

Eine Veranstaltungsreihe

Im Reformationsjahr 2017 und den Jahren danach soll eine Veranstaltungsreihe Impulse der anderen Reformation bekannt machen.  – Die Reihe begann am 6.12.2016 mit der Erinnerung an den Tod des Täuferpredigers Hans Hut am 6.12.1527 im Augsburger Gefängnis.

 Europäischer Stationenweg in Augsburg

Mi 19.4.17,10-19, Rathausplatz Geschichtenmobil

Begrüßung & Empfang,  12-13 Uhr, Rathausplatz

So leise treten kann ich nicht, 3 Stationen: Jüdisch Glaub – Confessio – Getauft

14-16.30, Rathaus, Annahof, Barfüßerkirche

Die Station „Getauft“ handelt von Ostern 1528

Vom Tod zum Leben – der Weg Hans Leupolds

Di 25.4.17,18 Uhr, Zukunftsdenkmal am Fuß- und Radweg vom Klinkertor zum Eisstadion.

Am 25.4.1528 wurde Hans Leupold, Vorsteher der Täufergemeinde, „aus Gnaden mit dem Schwert vom Leben zum Tod gerichtet“. Er war Ostern 1528 verhaftet worden. Als ihm das Urteil vor dem Rat-haus verlesen wurde, rief er laut: „Nit also, ir herren von Augspurg! sondern ob gott will, auss dem todt ins leben!“ – Seit 18.11.2016 gibt es am damaligen Richtplatz ein Zukunftsdenkmal! Ein guter Ort zum Gedenken.

Verdammung, Nein Danke! Rückführung von CA 16 nach Wittenberg

Friedenspilgerfahrt von Augsburg nach Wittenberg

Radtour, 1.-10.9.17, Verabschiedung der Tourgruppe Fr 1.9.17, 9 Uhr, Zukunftsdenkmal am Eisstadion.

Der Versöhnungsbund lädt ein, Artikel 16 des Augsburger Bekenntnisses zurück nach Wittenberg zu bringen, wo Melanchthon es verfasst hatte. 1530 beim Reichtag in Augsburg verlesen verdammt CA 16 die „Wiedertäufer“ wegen ihres Pazifismus und erlaubt den Christen „ohne Sünde gerechte Kriege zu führen“. Info: Thomas Nauerth, 0521/171861, nauerth@friedenstheologie.de, weitere Infos

Die verfolgte Bibel oder Wie es in Augsburg verboten war, Ostern zu feiern

Stadtführungen auf den Spuren einer Bibellesebewegung der Reformationszeit

  • Sa 8.4.17, 10 Uhr
  • Sa 15.4.17, 16 Uhr, Karsamstag
  • Di 18.4.17, 18 Uhr
  • So 23.4.17, 16 Uhr
  • Sa 6.5.17, 10 Uhr
  • Sa 13.5.17, 16 Uhr

Im Begleitprogramm der Bibelausstellung „Unser Buch“ www.unser-buch-augsburg.de/veranstaltungen/stadtfuehrung/

Kontakt: Wolfgang Krauß, Mennonitengemeinde Augsburg, 01522-1627812 wolf@loewe-und-lamm.de      www.mennonitengemeinde.de

Mutig bekennen – friedlich streiten.  500 Jahre reformatorische Bewegung, 1517-2017


Mennonitische Weltkonferenz startet Dekade der Erneuerung „Renewal 2027“

Öffentliche Veranstaltung: Verändert durch Das Wort: Die Bibel lesen aus täuferischen Perspektiven, So 12.2.2017, 9.30-16.30, Haus St. Ulrich, Kappelberg 1, 86150 Augsburg

Augsburg war in den Jahren der Reformation ab 1526 auch Zentrum der Täuferbewegung und damit ein Entstehungsort der heutigen Freikirchen. Vom 8.-17.2.2017 erinnert eine Tagung der Mennonitischen Weltkonferenz (MWK) im katholischen Tagungshaus St. Ulrich an diese „andere Reformation“. Zum ersten Mal seit 490 Jahren gibt es damit eine internationale Konferenz der Täuferbewegung in Augsburg. Im August 1527 trafen sich in Augsburg führende Vertreter der Täuferbewegung aus Süddeutschland, der Schweiz und Österreich. Sie tagten an wechselnden Orten, um der Verfolgung durch den Stadtrat zu entgehen. Nach dem Treffen wurden vier Augsburger Täuferführer verhaftet. Unter ihnen Hans Hut. Er starb am 6.12.1527 in Haft. Sigmund Salminger, Jakob Groß und Jakob Dachser blieben 3 ½ Jahre im Gefängnis. Die meisten anderen Teilnehmer wurden auf der Heimreise gefangengenommen und hingerichtet. Darum wurde das Treffen später als „Märtyrersynode“ bekannt.

Im Rahmen des Treffens ihres Exekutivkomitees vom 10. bis 17.2.2017 lädt die MWK zu einer öffentlichen Tagung am So 12.2.17 ins Tagungshaus St. Ulrich ein. Damit startet eine Dekade der Erinnerung und der Erneuerung. In den Jahren von 2017 bis 1527 soll  an die Anfänge der Täuferbewegung erinnert werden und nach Perspektiven der Erneuerung gesucht werden. Während der Tagung des Exekutivkomitees trifft sich auch die trilaterale Dialoggruppe von Vatikan, Lutherischem Weltbund und Mennonitischer Weltkonferenz zum Thema „Taufe“ zu ihrer abschließenden Sitzung.  weitere Infos

 

Eine Dekade der Erneuerung „Renewal 2017-2027“

Verändert durch Das Wort: Die Bibel lesen aus täuferischen Perspektiven

So 12.2.2017, 9.30-16.30, Haus St. Ulrich, Kappelberg 1, 86150 Augsburg

Gedenken an den Beginn der Täuferbewegung in der Reformation  –  Auf der Suche nach Perspektiven der Erneuerung

Mennonitische Referenten aus fünf Kontinenten und ökumenische Gäste bewegen das Thema „Verändert durch Das Wort – Die Bibel lesen aus täuferischen Perspektiven”. In Gesprächsgruppen können sich alle beteiligen. Die Tagung ist öffentlich. Sie steht in Verbindung mit der Tagung des Exekutivkomitees der Mennonitischen Weltkonferenz (MWK) in Augsburg.

Tagungssprache Deutsch. Kosten inklusive Essen 35 Euro / Schüler & Studenten 15 Euro.

Anmeldung: www.mwc-cmm.org/renewal2027

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oder: Ein Pfälzer als Präsident

E Pälzer werd Presidend. Wer hed des geglaabd? Dass no’em Kohl no’emol eener vun uns so uffstait. Oder werd ers doch ned? Werd uns soi postfaggischie Polidik doch erspard bleiwe? Ich mach uf hochdeidsch weider, dass mich mee Leid vaschdehn.

Der Großvater des Donald wurde in Kallstadt geboren und wanderte aus wirtschaftlichen Gründen nach USA aus. Von dort wollte er aber bald wieder zurück in die heimische Pfalz, weil es mit dem wirtschaftlichen Fortkommen drüben zunächst mau aussah. Seine Gesuche um Wiedereinreiseerlaubnis in die damals bayerische Pfalz wurden jedoch abschlägig beschieden. Die bayrischen Behörden vermuteten, er habe mit der Auswanderung vor allem seiner Wehrpflicht entgehen wollen. Wäre ein schöner Zug von ihm gewesen. Er stritt es ab, bekam aber doch kein Rückkehrvisum. Wie dem auch sei, ein bisher völlig unbekannter Fakt, könnte, wenn er bekannt würde, noch in letzter Minute Donalds Einzug ins Weiße Haus verhindern.

Donald ist gar kein geborener US-Amerikaner! Doch nur ein solcher darf Präsident werden. Was die Öffentlichkeit bisher nicht weiß: er wurde in der Pfalz geboren! Als seine Eltern im Frühsommer 1946 eine Nostalgiereise in die alte Heimat unternahmen, war Mutter Mary Anne hochschwanger und früher als erwartet setzten schon vor der Rückreise die Wehen ein. Im damaligen Diakonissenkrankenhaus Bad Dürkheim erblickte Kleindonald das Licht der Pfalz.

Liegt hier der wahre Grund, dass er sich standhaft weigert, seine Geburtsurkunde zu zeigen? Inzwischen ein noch größeres Tabu als seine Steuererklärung? Liegt hier die eigentliche Erpressungsgefahr durch Russland? Ob diese dunklen Ecken seiner frühen Biografie jemals ausgeleuchtet werden? Warum wagt sich weder die etablierte Presse noch Breitbart an diese Aufgabe?


Ich trauere um die Opfer in Berlin. Schrecklich mit einem LKW in eine Menschenmenge zu fahren. Wieviel Hass steckt in einem Menschen, der sowas tut? Was ist mit ihm geschehen? Was hat diesen Hass geweckt?

„Ein Anschlag auf unsere Art zu leben“, nennt der Bundespräsident die Untat auf den Berliner „Weihnachtsmarkt“. Die Bundeskanzlerin meint, die Terroristen könnten uns nicht zum Verzicht auf „Weihnachtsmärkte“ zwingen. Nein, nein, nein, diese Märkte sind NICHT meine Art zu leben. Da ich zu dem Kollektiv „wir“ bzw. „uns“ gehöre, sollte ich zuvor gefragt werden. Ich verzichte seit Jahren, soweit irgend möglich auf den Besuch solcher Märkte. Dazu brauche ich keine Terroristen, keinen Zwang.  Der Geruch von Glühwein und Bratwürsten schon am Vormittag ekelt mich an. Was hat das ganze, schon im November beginnend, mit Weihnachten zu tun? Leider überwuchern diese Märkte inzwischen ganze Innenstädte, so dass ich kaum um sie herum komme. Vor 50 Jahren gab es sowas in Nürnberg, in München … wo sonst noch? Inzwischen droht die ganze Republik im Weihnachts-Konsumpf zu versinken.

In der Nachfolge dessen, der nichts mit diesen Märkten zu tun hat, sind wir alle eingeladen, aufzubrechen in sein Reich des Friedens. Auf Terror und Krieg mit der Waffe der Liebe zu antworten. Danach zu trachten, dass niemand zu kurz kommt und meint, sich nur noch mit Gewalt und Mord Luft verschaffen zu können. Ein wichtiger Schritt: Weihnachten nicht mehr verkaufen! Advent als Zeit der Besinnung gestalten. Sich auf das Kommen des Friedefürsten vorbereiten.

Vergesst Alleppo nicht! Vergesst Mossul nicht! Vergesst Falludscha nicht! Vergesst Aden nicht! Vergesst Juba nicht!

 


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