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… wer zuviel von irgendwelchen Speisen verzehrt, die echtes italienisches Marmorpulver enthalten und dann den Rückwärtsgang einlegt. Welche Speisen das sind? Muss mal in meinem Internet nachsehen.

Ich jedenfalls bin heute etwas aufgehalten worden, weil der IC , der um 17.40 in Augsburg Hbf ankommen sollte, stattdessen schon in Augsburg-Oberhausen Bf anhielt. Er hatte gar nicht Platz auf dem etwas zu kurzen Bahnsteig. Ursache war das Marmorpulver. Ein Güterzug hatte dasselbe am Sonntag zu irgendeiner Lebensmittelfirma bringen wollen und war in der Nähe des Hbf entgleist. Da sieht nun alles weiß gepudert aus und die kaputten Wagen liegen rum, die Gleise sind verbogen etc. pp. Das mit den Spiesen oder Lebensmitteln ist kein Witz genauso stehts in der Augsburger Allgemeinen. “Die 16 Waggons waren auf dem Weg aus dem östereichischen Gummern [gibts da auch Marmor oder wurde nur umgeladen?] nach Kostrzyn in Polen und hatten Marmormehl geladen, das u.a. in der Lebensmittelherstellung verwendet wird.” Druckausgabe 5.7.10, S. 6. Gummern (=pfälzisch: Gurken), da kommen wir schon in die Nähe von Lebensmitteln. Oder kommt das Zeug in polnische Würste?

Wie dem auch sei, schließlich brachte ein Zug-Ersatzverkehr (=deutsch: Bus) mich zum Hbf, wo ich mein Fahrrad aus dem Fahrrad-Parkhaus befreite und ihm ein bisschen Auslauf gab.

Die Wohnung ist heiß und ich brüte über einem Rezept für Abendmahlsbrot. Eine Zutat ist jedenfalls Marmormehl und in die Liturgie ließe sich dann Drafi Deutschers unsterblicher Hit vom Marmorstein, der bricht, einbauen. Leichte Textveränderung und schon steht das Abendmahlslied:

Marmorstein und Eisen bricht, aber Gottes Liebe nicht …

Inzwischen hab ich in der “Welt” (die Zeitung, nicht das Universum) gefunden, dass das Marmormehl sowieso schon in Brötchen drin ist. Also brauch ich gar kein Rezept entwickeln. Werde mal beim Bäcker meiner Wahl fragen, ob ers in die Semmeln (bayrisch: Brötchen) tut. Das würde erklären, warum es immer so knirscht bei Frühstück.

http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article8300326/Gueterzug-entgleist-Hoher-Schaden-und-Verspaetungen.html

Bin doch ziemlich froh, dass der Güterzug gestern entgleiste und nicht heute, als ich grad in der Nähe war. Und gestern ist dem Lokführer und auch niemand sonst was passiert. Gott sei dank!


Sonntag, 13.6.2010, bin ich mit einer 15-köpfigen Gruppe aus einer Mennonitengemeinde am Hauptbahnhof verabredet. Auf täuferischen Spuren wollen sie in Augsburg unterwegs sein. Zuerst gibt es ein wenig Nieselregen, so dass ich als erste Station mit der Straßenbahn das Rathaus ansteuere. Dort gibt es Geschichte zum Anfassen - im Trockenen! Einige Objekte stellen Stationen aus der Stadtgeschichte dar und laden zum Betasten ein. In Blindenschrift und der Schrift für Sehende werden sie erläutert. Zu einer kurzen Besinnung verweilen wir nebenan im Gedenkraum für die dem Holocaust zum Opfer gefallenen Augsburger Juden. Alle bekannten Namen sind auf großen Glassplattenverzeichnet.

Als wir das Rathaus wieder verlassen, hat sich der Regen verzogen. Sonst hätte ich noch den Goldenen Saal besichtigen lassen. Vom Rathaus in der patrizischen Oberstadt steigen wir topografisch und sozial hinab in die Unterstadt der Handwerker. Dort erzähle ich u.a. vom Schillingaufstand am 3.8.1524. Als Antwort auf die Entlassung Johannes Schillings, des populären Predigers an der Barfüßerkirche, hatten sich Menschenmassen „zusammengerottet” und vor dem Rathaus für dessen Rückkehr demonstriert. Schilling hatte sich in seinen Predigten wohl reformatorisch, aber auch sozial engagiert geäußert. Gerechtigkeit auch für die kleinen Leute - frohe Botschaft für die Armen - auch das ist Evangelium. Zu den Demonstranten finden sich einige, die später zur Täuferbewegung stoßen. Die Demos erreichen immerhin die Rückkehr Schillings. Dem Rat war wohl angst und bang geworden. Doch als sich der Zorn der Masse gelegt hatte, wurde Schilling erneut aus der Stadt gewiesen. Diesmal ohne Aufschrei.

Dann stehen wir vor dem Haus, wo sich am Ostermorgen 1528 etwa 100 Täufer versammelt hatten, die Auferstehung Christi zu feiern. Einige hatten schon bemerkt, dass in der Umgebung Stadtknechte versteckt waren. Die Vorsteher warnten die Versammlung und stellten es allen anheim, wieder zu gehen, was etliche auch taten. Die Versammlung wurde dann tatsächlich gesprengt. 88 Männer und Frauen verhaftet, darunter die Hausherrin und fast alle führenden Täufer Augsburgs.

Während ich darüber erzähle, kommt ein Mann und will wohl in einen Kleinbus einsteigen, den wir blockieren. „Sollen wir Ihnen Platz machen?” „Nein ich höre gerne zu!” Zum Ende der Station gibt er sich als der neue Hausbesitzer zu erkennen. Ich frage nach seiner Adresse. „Ja, hier wohne ich! In diesem historischen Haus!” Er wusste schon etwas von der Bedeutung des Hauses für die Täufergeschichte. Ich gebe ihm meine Karte und wir verabschieden uns herzlich.

Als wir die nächste Station hinter uns haben, begegnet er uns auf dem Weg zum Brechthaus. Er ist uns nachgegangen. Er überreicht mir einen alten Eisennagel. „Für Sie. Wir haben ihn bei der Renovierung gefunden.” Ob der Nagel aus dem 16. Jahrhundert stammt? Das müssen Fachleute entscheiden. Mir erscheint es zumindest möglich. - Auf jeden Fall gibt es wohl eine offene Tür zu diesem alten Täuferhaus. - Ich bedanke mich herzlich und kündige an, demnächst Kontakt aufzunehmen.

Ein Nagel als historisches Zeugnis

Ein Nagel als historisches Zeugnis

Wer weiß, womöglich ist der Nagel das erste Exponat, einer kommenden Ausstellung “(Wieder)Täufer in Augsburg”? Wer weiß, vielleicht gibt es bald ein sichtbares Erinnerungszeichen am Ort, der damals gesprengten Osterversammlung. Viele, auch die Hausherrin, wurden ausgewiesen, manche gebrandmarkt, der Vorsteher Hans Leupold hingerichtet. Als man ihm vor dem Rathaus das Urteil verlas und mitteilte, dass er mit dem Schwert vom Leben zum Tod gerichtet werde, rief er mit lauter Stimme: „Nicht also, ihr Herren von Augsburg, sondern aus dem Tod zum Leben.” So geschehen in Augsburg am 25.4.1528.


ZDF-Krimireihe: Ihr Auftrag, Pater Castell

Das Geheimnis der letzten Tage, ZDF, 27.5.2010, 20.15 - 21.45

Da gucken die Schauspieler bedeutungsvoll, da sagen sie ihre Texte auf, da dräut die Musik und es wabert gregorianisch, wenn via Petersdom der Vatikan ins Bild gesetzt wird. Schließlich wirkt im Hintergrund Kardinalstaatssekretär Scarpia und öffnet dem ZDF-Detektiv Pater Castell die bekanntlich allwissenden Archive des Vatikan für entscheidende Indizien.

Erst jetzt entdecke ich die schon 2008 gestartete ZDF-Krimireihe. Die letzte Folge  begnügt sich nicht damit, dass zwei Drittel der Ermittler dem katholischen Klerus angehören. Auch der erste Verdächtige für den obligatorischen Mord muss ein katholischer Priester sein. Er muss zudem dem “fundamentalistischen Verein eines abtrünnigen Bischofs” angehören, der am liebsten heute noch Ketzer verbrennen würde. Was für die Handlung, später keinerlei Rolle mehr spielt. Obendrauf muss der Ermordete auch noch zu einer Gruppe von Amischen gehören, die vor einiger Zeit aus USA eingewandert ist.

Der Ermordete wurde von den Amischen für abweichendes Verhalten mit Meidung gestraft. Wer meidet, der mordet, schließt die Komissarin arg naiv. Als weiterer Verdächtiger kommt also der arg dogmatisch halsstarrige Älteste der Amischen oder dessen künftiger Schwiegersohn ins Spiel, denn der Älteste hatte seine Tochter dem falschen versprochen. Der offizielle Verlobte ist damit natürlich Verdächtiger Nr. 3! Es sei gleich verraten, dass selbst mittelmäßig gewiefte Zuschauer nach spätestens 1/3 der Sendezeit im Urin spüren werden, wer der wahre Mörder ist.

Das Detektivteam ist sozusagen trinitarisch konstruiert und besteht aus Kardinalstaatssekretär Scarpia (Hans Peter Hallwachs), Pater Kastell (Francis Fulton-Smith) als “Sonderermittler des Vatikan” und schließlich der bieder daherkommenden Münchner Komissarin Marie Blank (Christine Döring) - laut ZDF “eine atheistische Karrierefrau”, die durch Pater Castell beginnt, sich für den Glauben zu interessieren. Im Interview meint die Schauspielerin, die Serie sei “guter Geschichtsunterricht”.

Da fehlt mir der Glaube. Leider wirken nicht nur Handlung und Personen, sondern auch der historische Rahmen dieser Folge arg konstruiert. Der Ermordete hat angeblich ein von Jakob Amman mit ins Grab genommenes Geheimnis entdeckt. Er wollte von ihm entdeckte undogmatische Spätschriften Ammans nutzen, um eine amische Reformation zu bewirken. Auch die in die Handlung eingestreuten Infos über amische Geschichte und Eigenart bleiben in Klischees stecken und lassen uninformierte Zuschauer ähnlich uninformiert zurück. Ebenso werden katholische Kirche und Vatikan arg stereotyp gezeichnet

Die Kommissarin erinnert sich angesichts der amischen Kleidung “an einen Film mit Harrison Ford und dieser Sekte in USA”. Eine Szene zitiert sogar Peter Weirs legendären Amischkrimi „Der einzige Zeuge”. Dorfjugendliche mobben einen jungen Amischen, Pater Castell greift ein und rettet ihn. Die konsternierte Komissarin fragt: Warum hast du dich nicht gewehrt? “Wir wollen nicht zu dieser Welt gehören. Aber die sind neidisch, denn die Städter kaufen lieber unser Obst.”

Das beste ist noch, dass zu Beginn der Handlung, als noch der Fundipriester verdächtigt wird, Pater Castell sich große Sorgen ums ökumenische Klima macht: „ein gefundenes Fressen für die Presse. Es hat Jahre gedauert, dass der Dialog in Gang kam, nach allem, was die letzten Jahrunderte geschehen ist.” War Castell etwa inkognito Mitglied der Dialogkommission zwischen Mennonitischer Weltkonferenz und dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen. Es kommt schließlich sogar zu einer materiellen Wiedergutmachung vergangenen Unrechts gegenüber den Amischen.

Schade, die erste Folge der neuen Krimiserien leidet an unerträglich flacher Story, ebenso flacher Schauspielerei, fehlendem historischen, psychologischen, und literarischem Tiefgang.

Die eingestreuten Infos über Katholiken, Amische und andere Kirchen sind kaum mit der Handlung verbunden, meist werden sie in Dialoge zwischem kirchengeschichtlich bewandertem Pater und ahnlungsloser Kommissarin gepackt: “Amische sind grundsätzlich gegen Gewalt, sind sind letztendlich aber auch nur Menschen.” Wer hätte das gedacht?

Der Sendungstitel “Das Geheimnis der letzten Tage” hat übrigens keinerlei endzeitlichen Horizont. Es geht nur um die angeblich letzten Schriften Jakob Ammans.

Es wird einfach zu viel, zu dick aufgetragen. Die Anspielungen auf berühmte klerikale Detektive von Chestertons Father Brown, über Rühmanns Pater Brown bis zu Ottfried Fischers Pfarrer Braun zeigen nur die Fallhöhe zu diesen Vorbildern.

Neben dem ARD-Tatort aus Münster und dem Münsteraner Antiquar und ZDF-Privatdetektiv Wilsberg, beide immer wieder mal für Täufermotive gut, nun also Amische in Pater Kastells klerikaler Krimireihe. Wie nur kommen die Autoren darauf, Jakob Amman sei in Habach bei Augsburg an Auszehrung gestorben und dort begraben? War doch Habach (Heybach) in Oberbayern, südlich des Starnberger Sees, um 1495 Hans Dencks Geburtsort. Eine historische Krimiserie mit Hans Denck als Ermittler, das wärs doch. Da könnten spiritueller und krimineller Tiefgang einander das Wasser reichen.

Übrigens der Sendungstitel “Das Geheimnis der letzten Tage” hat keinerlei endzeitlichen Horizont. Es geht nur um die angeblich letzten Schriften Jakob Ammans.

In der ZDF-Mediathek gibt’s jede Menge Interviews mit dem Regisseur und den Hauptdarstellern. Außerdem ein Lexikon, das jedoch nicht mal das Stichwort “Amische” enthält.

Wer den Film trotz dieser Rezension noch anschauen will, findet das Video in der ZDF-Mediathek:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1052578/Das-Geheimnis-der-letzten-Tage#/beitrag/video/1052578/Das-Geheimnis-der-letzten-Tage



Das Atomkraftwerk Biblis umzingeln

Am 26. April vor 25 Jahren explodierte das Atomkraftwerk in Tschernobyl. Schon am Samstag, 24.4.2010 waren wir deswegen zu dritt aus unserer Gemeinde aufgebrochen zurr Umzingelung der AKW-Blöcke in Biblis. Alle Sitze des vom grünen Kreisverband organisierten Busses waren besetzt. So deutete sich schon an, dass viele Menschen kommen würden, um gegen den Ausstieg aus dem Atomausstieg zu protestieren. Es sollen insgesamt 12.000 - 20.000 Leute gewesen sein. Je nachdem, ob man den Veranstaltern oder der Polizei glaubt.

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Und im Norden waren mehr als 120.000 Menschen auf den Beinen. Also zehn mal so viele wie bei uns im Südwesten. Kein Problem eine 127 km lange Menschenkette zwischen den Atommeilern Brunsbüttel und Krümel herzustellen. Über 120 km geben sich Männer, Frauen und Kinder die Hand und demonstrieren für das Leben und für einen anderen Umgang mit Energie.


Fast wäre ich nicht zur Demo und Umzingelung nach Biblis gekommen. Schließlich gibt’s zuhause samstags auch was zu tun! Was hätte ich nicht alles versäumt?! Das gute Gefühl, wieder viele zu sein und etwas bewirken zu können. Eine schöne Wanderung bei Superwetter. Gute Kontakte mit bekannten und wildfremden Menschen. Beschämt hat mich, dass soviele Menschen von weither angereist kamen. Und mir wären die 40 km fast zu viel gewesen. Aber ich war dabei!

Sonne, Wind und Wasser wollen auch AKW abschalten und alternative Energie liefern

Sonne, Wind und Wasser wollen auch AKW abschalten und alternative Energie liefern

Doch das wichtigste: Ich hätte den wunderbaren Chorgesang verpasst und die Möglichkeit mitzusingen. Eine Gruppe aus Wuppertal hatte Kirchenlieder vorbereitet und trug sie vierstimmig(!) vor. Immer wieder kamen spontan andere Demonstranten dazu und sangen mit. Die Texte waren für den Zweck des Tages umgedichtet. So wurde aus „Auf Seele Gott zu loben“ „Mit Wind sind wir umfangen, der liefert uns den Strom./Drum steht unser Verlangen nach Abschied vom Atom!“ Oder „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ verwandelte sich in „Steiget aus, ruft euch die Stimme,/ Atomkraft stinkt extrem zum Himmel! /Steigt aus aus dem Atomprogramm!“ Es gab das wunderbare Stimmendurcheinander von „Stoppt die Atomkraft und zwar sofort“ oder den Beethovenklassiker „Kernkraft, schöner Götterfunken“. Das waren für mich die Hits von Biblis! Schon immer wünche ich mir einen ordentlichen Chor bei Demos. Schon immer will ich beim Ostermarsch “Christ ist erstanden” singen. Spontanes Singen gab es 2002 und 2003 bei den Heidelberger Demos gegen den Irakkrieg. Aber nie hab ich es geschafft, einen Chor zu organisieren oder Chorleiter anzuspitzen, das zu tun. Vielleicht schaffe ich das jetzt oder das Beispiel Biblis wirkt noch auf andere ansteckend. Ich konnte sogar eins der Notenhefte ergattern!

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Auch konnte ich unter den Menschenmassen zur Orientierung beitragen. Wie meistens hatte ich unser Demokreuz mitgenommen. Es ist recht groß, aber wegen seiner speziellen Leichtbauweise, dennoch leicht zu tragen. Ich stand also mit hoch erhobenem Kreuz im Chor und sang mit. Später verliefen wir uns unter den Menschenmassen bei der Kundgebung am Kraftwerktor. Irgendwann sprach mich eine Frau an, wo denn der Chor sei, sie sei meinem Kreuz gefolgt, um ihn wiederzufinden. Sie hielt sich weiter in meiner Nähe auf und glaubte mir wohl nicht, dass ich gar nicht wirklich dazugehöre. Später fanden wir den Chor wieder und konnten erneut einstimmen in die Antiatomchoräle.

Hier und da wurde ich auch gefragt, warum ich denn mit einem Kreuz zur Demo gekommen sei. Na, warum denn nicht, antwortete ich als erstes. Gab dann aber auch theologisch etwas tiefergehende Auskunft: Am Kreuz hat Christus die Mächte des Todes besiegt. Und in seiner Auferweckung hat Gott diesen Sieg bestätigt.

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Bild: Mike


12.000 Menschen waren da. Ich hab sie nicht gezählt, aber ich hatte den Eindruck, es waren einige Tausend Fahnen zu sehen. Viele hundert von „Die Linke“, „Bündnis 90 – Die Grünen“, „SPD“, „Attac“, BUND und bestimmt mehr als 1.000 mit der berühmten roten Sonne und dem Spruch „Kernkraft? Nein, danke!“ Mit oder ohne geballte Sonnenfaust. Unter tausenden Fahnen EIN Kreuz, das Orientierung gibt. Eine Demonstrantin sagte, gut, dass sich einige outen. Ja, das wünsche ich mir, dass sich noch viel mehr Christen, den Protesten anschließen und sich dort zu erkennen geben. Die Botschaft der Auferstehung, des Aufstands gegen Tod gehört gerade auf die Demonstrationen gegen die tödliche Gefahr der Atomkraft. Jahrtausendelang strahlender Müll für den noch kein Endlager gefunden ist. Menschliche Hybris, die meint, Müllberge mit einer Halbwertszeit von 24.110 (in Worten: vierundzwanzigtausendeinhaundertzehn) Jahren beherrschen zu können.

Wenn das keine theologischen Themen sind!

Also: Transparente gemalt, Flugblätter gedruckt, Kreuze gezimmert! Es gibt eine Botschaft weiterzusagen.


Statt eines eigenen Kommentars zur Regierungserklärung Angela Merkels am 22.4.2010 zum Thema “nicht internationaler bewaffneter Konflikt” in Afghanistan bzw. Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland am Hindukusch:

Ich möchte was darum geben, genau zu wissen, für wen eigentlich die Taten getan worden sind, von denen man öffentlich sagt, sie wären für das Vaterland getan worden.

Georg Christoph Lichtenberg, 1742-1799


Es gibt wieder Helden und sie fallen wieder in größerer Zahl. Das letzte mal, als das der Fall war, hieß der Bundeskanzler noch “Reichskanzler” und “unser geliebter Führer” und heute wäre sein 121. Geburtstag. Wie schön, dass er schon aus biologischen Gründen nicht mehr unter uns weilen würde, selbst wenn er am 30.4.1945 sich nicht so heldenhaft aus dem Verkehr gezogen hätte. Gut, dass unsere heutige Bundeskanzlerin ihre Regierungserklärung zur Unterstützung unserer tapferer Soldaten nicht heute, sondern erst übermorgen abgibt.

Manche der guten alten Witze aus der Zeit unserer damaligen Wehrmacht im Einsatz lassen sich mühelos recyclen. Etwa den:

Regierungserklärung: Wir schicken unseren tapferen Soldaten nicht ein, nicht zwei, nicht drei … nein, Vierfruchtmarmelade an die Front.

Übrigens ist mit diesen Zeilen keinerlei Nazivergleich intendiert, schließlich gibt es ja “Anführungsstriche”. Komisch wo sich überall der Führer eingeschlichen hat.


… hab ich heute nicht erlebt, aber immerhin gab es einen tüchtigen Schwelbrand auf dem Dachgarten aufm Hinterhaus. Zwei Handwerker waren in letzter Zeit damit beschäftigt, den Dachgarten zu sanieren. Sie waren schon weit gekommen und die Hausbewohner freuten sich, dass demnächst die Dachgartensaison wieder voll eröffnet werden kann.

Heute morgen waren sie wieder am Hämmern und Machen. Ich dachte mir, gehste später mal raus und siehst dir an, wie weit sie vorwärts gekommen sind. Da klopft es plötzlich laut und mehrmals, klingelt auch zugleich. Ich geh zur Wohnungstür, da steht der eine Handwerker draußen und sagt: es brennt, Sie müssen das Haus verlassen aus Sicherheitsgründen. Ich denk, oh Mann, was soll ich denn mit runter nehmen. Was ist denn das Wichtigste: der Klapprechner und auch der Papierausdruck des Artikels, an dem ich gerade arbeite. Heute morgen hatte ich noch viele Korrekturen aufs Papier gemalt. Und die Gitarre, die ist auch nicht so leicht zu ersetzen. Später dachte ich, der Rucksack mit Geldbeutel samt Ausweisen, Bankkarten etc. wär auch noch wichtig gewesen. Schnell noch eine Jacke angezogen und dann runter. Die Feuerwehr rannte auch schon durchs Treppenhaus und verlegte Schläuche. Draußen auf der Straße standen mehrere Löschzüge, auch Krankenwagen stand schon bereit und Polizei natürlich. Ich machte einige Fotos mit dem Händi.

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Von der Terasse des Nachbargrundstücks  konnte ich die Feuerwehrleute gut beobachten. Mit Beilen rückten sie dem Schwelbrandherd näher. Dann mit einer Motorsäge, sie hatten ziemlich Mühe, den Brandherd freizulegen und ihn mit Wasser zu bekämpfen.

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Wieder auf der Straße schaute ich beim Installateursladen unten rein, da hatten inzwischen auch die Handwerker Zuflucht gefunden. Wollen Sie einen Espresso oder Capucino? fragt mich der Inhaber. So kam ich zu einem Capucino und konnte noch gelassener alles beobachten. Bald war klar, der Brand würde nicht zum offenen Feuer werden. Das Vorderhaus und damit meine Wohnung war zu keiner Zeit wirklich gefährdet.

Ein Nachbar aus der Wohnung unter mir sagte schließlich: Und ich hab heute Geburtstag! Alle gratulierten ihm, ich sagte: dir ist heute das Leben geschenkt worden! Es hätte auch anders ausgehen können. Wenn es nicht entdeckt worden wäre und in die Nacht hinein geschwelt hätte. Da hätte schon das ganze Haus hinten und vorne brennen können.

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Irgendwann taucht auch der Hausbesitzer auf. Ich meine dann, sobald die Feuerwehr uns wieder ins Treppenhaus lässt, sollten wir nachsehen, wie schlimm das Wasser in die Wohnung unterm Dachgarten reinläuft und sollten was unterstellen. Als wir hochkommen, hat die Feuerwehr schon Eimer untergestellt. Die waren von der gerade fertigen Renovierung der Wohnung noch reichlich vorhanden. Wir ersetzten sie dann durch große Wannen des Installationsbetriebes im Haus. Später kamen auch die Eltern der jungen Frau, die gerade diese Wohnung gemietet hatte.

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Gott sei Dank, es ist nicht mehr passiert. Niemand ist an Leib und Leben geschädigt. Meine Gebete, als ich vor dem Haus auf der Straße stand, sind erhört worden.

Gerade hab ich noch eine weitere Nachbarin getroffen, die den ganzen Tag auf der Arbeit war und noch kaum was mitgekriegt hatte. Ich hab ihr alles erzählt.

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Die Feuerwehr war wieder echt professionell. Sie haben dann den Brandschutt noch in den Eingangsbereich runtergetragen. Die Handwerker haben weiter aufgeräumt und den Schutt auch weggebracht.

Mein erster Brand in Augsburg. In Bammental hab ich ja schon mehrere erlebt. Es ist immer schön, wenns vorbei ist.

Die Augsburger Allgemeine hat auch schon berichtet:

http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Augsburg-Stadt/Lokalnews/Artikel,-Brand-Feuer-Augsburg-Feuerwehr-_arid,2118784_regid,2_puid,2_pageid,4490.html


Halt, sollte das Augsburger Kultur- und Szeneprogrammheft wirklich über meine Pendelei von B anch A und zurück berichten?

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Ach nein, es geht um Augsburgflüchtlinge nach Berlin. Schon Bert Brecht war ja einer - in A geboren über viele Exilstationen nach Deutschland zurückgekehrt, arbeitete, lebte und starb er schließlich in der Hauptstadt des Arbeiter- und Bauernstaates. Ich dagegen bin eher ein Zuwanderer nach A, wenn ich mich auch immer wieder auf den Weg zurück nach B mache


Anfang der Woche konnte ich eines der größten Menschheitsprobleme lösen. Nichts lag mir ferner an diesem Tag, es geschah einfach so quasi im Vorbeigehen. Ich sollte ein vorbestelltes Rezept bei meinem Hausarzt abholen, betrete seine Praxis und stelle mich ans Ende der kurzen Schlange. Nur zwei Frauen vor mir, es wird nicht lange dauern. Bei der ersten geht es auch wirklich sehr schnell. Doch bei der zweiten Frau dauert es. Offensichtlich sucht die Sprechstundenhelferin etwas für sie im Rechner. Immer wieder sprechen sie auf Türkisch miteinander.  Kleine und große und Vokalharmonie - hört sich gut an, auch wenn ich nichts verstehe. allerdings hatte ich nicht vor, den Vormittag in der Praxis zu verbringen. Das Telefon klingelt, die Arzthelferin unterbricht das Gespräch und nimmt den Hörer ab. Es dauert 1 oder 2 Minuten, dann hat sie die gewünschte Auskunft gegeben. Sie legt den Hörer wieder auf, spricht weiter mit der türkischen Mutter, deren Kind langsam quengelig wird. Nach einigen Minuten klingelt erneut das Telefon. Wieder wird das Gespräch unterbrochen und bevorzugt der Mensch am anderen Ende der Leitung bedient. Dann geht das Gespräch auf  Türkisch weiter. Ach hätte ich doch auch ein telefonisches Anliegen, aber ein Rezept lässt sich kaum telefonisch abholen. Mein Blick fällt auf ein Praxisfaltblatt, beim Durchblättern finde ich die Lösung.

Ich hole mein Händi aus der Hosentasche und wähle die Praxisnummer. Gleich klingelt es in zwei Meter Entfernung. - Ja, guten ‘Tag, hier Praxis Soundso. - Ja, hallo, ich wollte eigentlich nur ein Rezept abholen. - Erstaunt dreht die junge Frau sich um zu mir und lächelt mich an. Auch die türkische Mutter lacht, ebenso das kleine Mädchen, dem eben noch so langweilig war. - Ja, kein Problem. - Die Sprechstundenhilfe legt den Hörer auf und sucht mein Rezept raus. Kurz darauf verlasse ich die Praxis und die immer noch lächelnden Menschen. Ich habe ein großes Menschheitsproblem gelöst!

Wer hat nicht schon in Ämtern, Computerläden  und Arztpraxen erlebt, dass er ewig warten musste, während Anrufer sofort bedient wurden und selbstverständlich das laufende Gespräch mit Patienten, Antragstellern und Kunden unterbrochen wurde? Das muss nicht sein. In Zukunft einfach Händi und Telefonnummer mitnehmen!


Margot Käßmann: Nichts ist gut in Afghanistan

Einige Bemerkungen der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann in ihrer Predigt zur neuen Jahreslosung scheinen viele Politiker und Kommentatoren zu provozieren. Vor allem der Vorwurf, sie dürfe nicht für alle evangelischen Christen sprechen, wird oft wiederholt. Da scheint schon Wesen und Absicht einer Predigt falsch verstanden zu werden. Eine Predigt spricht nicht für Christen, sondern zu Christen, die sich dann ggf. über das Gesagte Gedanken machen und eigene Schlüsse ziehen können.

Im Wortlaut lautete der provozierende Absatz der Predigt:

“Nichts ist gut in Afghanistan. All diese Strategien, sie haben uns lange darüber hinweggetäuscht, dass Soldaten nun einmal Waffen benutzen und eben auch Zivilisten getötet werden. Wir brauchen Menschen, die nicht erschrecken vor der Logik des Krieges, sondern ein klares Friedenszeugnis in der Welt abgeben, gegen Gewalt und Krieg aufbegehren und sagen: Die Hoffnung auf Gottes Zukunft gibt mir schon hier und jetzt den Mut von Alternativen zu reden und mich dafür einzusetzen. Manche finden das naiv. Ein Bundeswehroffizier schrieb mir, etwas zynisch, ich meinte wohl, ich könnte mit weiblichem Charme Taliban vom Frieden überzeugen. Ich bin nicht naiv. Aber Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan. Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen. Das kann manchmal mehr bewirken als alles abgeklärte Einstimmen in den vermeintlich so pragmatischen Ruf zu den Waffen. Vor gut zwanzig Jahren haben viele Menschen die Kerzen und Gebete auch hier in Dresden belächelt.”

Wie aber soll “ein klares Friedenszeugnis” aussehen? In Interviews hatte Käßmann gesagt, auch nach den weitesten Maßstäben der Evangelischen Kirche in Deutschland sei dieser Krieg nicht zu rechtfertigen, deshalb müsse die gewalttätige Auseinandersetzung möglichst rasch beendet werden. (Hannoversche Allgemeine Zeitung). In BILD vom 4.1.09 wurde sie gefragt, was gläubige Soldaten von ihrer Aussage halten sollten, der Krieg in Afghanistan sei durch nichts zu rechtfertigen. Sie verwies auf die Haltung der Kirche, ein solcher Einsatz sei nur zu rechtfertigen, wenn der zivile Teil klar dominiere. Der Vorrang des Zivilen sei aber  beim Bundeswehreinsatz längst infrage gestellt. Und durch mehr Truppen werde er vollends zerstört. Den Vorwurf, sie würde die deutschen Soldaten im Stich lassen,  bezeichnete sie mit Hinweis auf die Soldatenseelsorge als „perfide Unterstellung”. Katholische wie evangelische Geistliche begleiteten „unsere Soldatinnen und Soldaten”, sprächen mit Traumatisierten, würden die Toten begraben und stünden ihren Angehörigen bei. Den sofortigen Abzug habe sie nie gefordert. Aber es brauche einen erkennbaren Plan für den Abzug. Immer mehr Militär zu schicken, sei keine Lösung und bringe keinen dauerhaften Frieden. Auf die Frage, was die Bundeswehr anders machen solle, meint Käßmann, das seien politisch zu entscheidende Fragen. Wenn sie für den Frieden plädiere, sei das eine Schlussfolgerung aus dem Matthäus-Evangelium: „Selig sind die Friedfertigen”. Jede andere kirchliche Position würde doch wohl erstaunen.

Einige Rückfragen: Wie soll ein klares Friedenszeugnis aussehen? Warum bleibt Margot Käßmann in Rechtfertigungen stecken, spricht von „unseren” Soldaten, führt ausschließlich pragmatische Argumente an, weist implizit darauf hin, dass die Militärseelsorge dazu beiträgt, den Krieg führbar zu machen? Immerhin zitiert sie den Bergprediger. Doch warum dringt sie nicht durch zum theologischen Kern einer evangelischen - also am Evangelium orientierten - Haltung zur Frage des Krieges. Wenn mit Gewalt „Frieden” zu schaffen wäre, wären sie und die EKD dafür?

Was haben „gläubige Soldaten” in einer Armee verloren? Ruft Jesus uns nicht in seine Nachfolge und fordert uns auf, unsere Feinde zu lieben? Wie geht das mit der Waffe in der Hand?

Mit weiblichem Charme Taliban vom Frieden überzeugen? Ich meine, der Offizier, der so fragt, kommt der Antwort ziemlich nah. Nicht um weiblichen Charme geht es, sondern um den Charme der Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu, von denen Paulus schreibt, sie sollten den Feinden zu essen und zu trinken geben, und so glühende Kohlen auf ihrem Haupt sammeln - bildhaft gesprochen, sie zu beschämen - und so Böses mit Gutem zu überwinden.

Warum ist der Krieg gegen Taliban und Al Kaida mit militärischen Waffen nicht zu gewinnen? Zum einen, weil es ein assymetrischer Krieg ist und Guerilleros und Selbstmordattentäter nicht militärisch zu bezwingen sind. Zum anderen, weil ein ideologischer Krieg nur mit geistlichen Waffen gewonnen werden kann.

Warum überlassen wir es den Staaten, diesen Krieg zu führen, die doch die geistliche Problematik gar nicht verstehen? Warum denkt Bischöfin Käsmann nur in den Kategorien staatlichen Handelns, sei es nun zivil oder militärisch? Warum kommen keine genuin christlichen Handlungsmöglichkeiten zur Sprache? Warum spielt Jesus keine Rolle in ihrer Argumentation?

Warum machen wir als Kirche nicht unsere eigene Außenpolitik, schicken Unterhändler zu den Taliban - gemäßigt oder radikal - und fragen nach den Bedingungen eines Friedens? Warum laden wir die Taliban nicht ein in evangelische Akademien, um über geistlichen Kampf (Dschihad) mit ihnen zu diskutieren?

Alles nur Spätfolgen des Bündnisses von Kirche und Staat seit Kaiser Konstantin?


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