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Die Bammentaler Weihnachtsgänse

Die seit einigen Jahren sich in Bammental heruntreibende Gänseherde zählt derzeit acht Tiere. Das Flüsschen Elsenz und diverse Grünanlagen bieten eine gute Existenz. Autofahrer snd höchst zuvorkommend, Fußgänger drücken die Ampel, damit die Gänse per Fußgängerampel sicher die Straße queren können.

Als ich den Gänsen heute begegnete, kamen alle acht schnell und fast bedrohlich auf mich zu. Dann wurde mir klar, dass sie Futter von mir erwarten. Neben den Grünanlagen ist das wohl die Grundlage ihres Lebens. Sie werden gefüttert. So sind sie, ursprünglich wohl einem örtlichen Geflügelhof entkommen, Haustiere der Bammentaler geworden. Unsere Weihnachtsgänse, sie müssen weder Backofen noch Bratpfanne fürchten. Höchstens werden sie, wie mit einer Gänsemutter und ihren Kindern geschehen, in einen Streichelzoo verbracht.  Damit die Herde nicht allzu groß wird.


Star Peace

Ich kann ja nicht mitreden, war nur in einem einzigen Film der Star Wars Serie. Damals in Berlin fand ich weder die Effekte spektakulär, eher unbeholfen kamen sie mir vor, ich hatte ja den Vergleich zu Raumschiff Orion mit Dietmar Schönherr und Vivi Bach in den späten 1960ern oder frühen 1970ern. Auch die Story fand ich eher schwach und vor allem langweilig. – Es sei die schwächste Folge gewesen, sagte mir derjenige von unsern Kindern, der mich ins Kino geschleppt hatte. – Na ja, es hat mich nicht motiviert, weitere Folgen anzusehen oder gar eine lange Star Wars Nacht mitzumachen.

Zu lange dauert mir schon die Nacht der Kriege, als dass ich sie in die Welt der Sterne verlängern möchte. Friede auf Erden wurde verkündigt, damals auf den Hirtenfeldern bei Bethlehem. Ein Stern führte Magier aus dem Osten zu dem in Armut geborenen neuen König. Der Stern des Friedens, Auftakt für einen Frieden, der das ganze Universum erfassen will. Star Peace …


Zwischen Berg- und Bachgasse: Die Synagoge in Göllheim

Letzte Woche hatte ich auf der Verbandsgemendeverwaltung in Göllheim zu tun. Dabei sah ich verschiedene lokalhistorische Veröffentlichungen und hab mir einiges davon mitgenommen. Darunter: Markus Hoffmann, Die Verbandsgemeinde Göllheim, Ein kulturhistorischer Reiseführer, Göllheim 1997. Mich interessiert vor allem S.131.

Ich bin in dieser Nordpfälzer Gegend aufgewachsen und dachte, ich kenn mich einigermaßen aus. Na gut, seit 1972 bin ich nur noch zu Besuch da, bin seit dem Studium in Heidelberg und Umgebung und seit 2008 dann auch in Augsburg ansässig. Dass es eine jüdische Gemeinde in Göllheim gab, wusste ich. Aber nie hatte ich die Synagoge gesehen. Hatte auch nie danach gefragt. Als Kinder und Jugendliche waren wir viel mit der Familie unterwegs, wir wanderten zur Burgruine Falkenstein oder zum Kloster Rosenthal. Aber die Göllheimer Synagoge war nie ein Thema. Nach Göllheim kamen wir zum Kleider oder Schuhe kaufen.

Jetzt erfahre ich, wo die Synagoge stand: auf einem heute freien kleinen Platz zwischen Berg- und Bauchgasse. 1938 in der „Reichskristallnacht“ war sie teilweise zerstört worden. Bis 1949 als Lagerraum genutzt, wird sie 1949 an die jüdische Kultusgemeinde Neustadt übergeben. Mit deren Zustimmung wird sie 1971 wegen Baufälligkeit abgerissen. 1971! Da wohnte ich noch im Nachbardorf Dreisen. Vom Abriss der Synagoge hab ich nichts gehört, auch nichts in der Zeitung gelesen. Hat es da gestanden und ich habs nur nicht wahrgenommen?

Berggasse? Bauchgasse? In diesen Gassen abseits der Göllheimer Hauptstraße bin ich nie gewesen. Wenig repräsentative Häuser, nicht so herzeigbar und prächtig wie viele an der Hauptstraße und im Umkreis der katholischen und evangelischen Kirche.

Ich gehe zum Platz, wo die Synagoge stand. Ich sehe den 1979 errichteten Gedankstein, die schon fast unleserliche Infotafel der Agenda-21-Gruppe und die Denkmalplakette, wie sie alle denkmalsgeschützte Gebäude hier tragen. Hier für ein Denkmal, das nicht mehr steht.


Weh denen, die Unheil planen, weil sie die Macht haben! Micha 2,1

So sagt es Micha, einer der vielen Profeten Israels, die einen kritischen Blick auf die Mächtigen werfen. Wie nur konnte sich im „christlichen“ Abendland eine Lehre vom Gottgnadentum der Mächtigen, Fürsten und Könige, ausbilden? Nur durch sehr selektive Wahrnehmung der biblischen Texte. Unmissverständlich kritisieren die Profeten das Unrecht der Machthaber und ihre Ausbeutung der Armen. Mutig zeigen sie den Weg zu Gerechtigkeit und einem Frieden, der diesen Namen verdient. – Gut dass dieser kritische Vers des Micha in den Lostopf der Herrnhuter Brüdergemeinde getan wurde, so dass er für Samstag, 16. 12. 2017, als Losung gezogen wurde.

Jesus macht keine Ausnahme, auch er kritisiert Machtmissbrauch und Gewaltherrschaft. Darum haben die Herrnhuter dem Vers aus Micha einen Vers aus dem Neuen Testament zugeordnet, der Jesu nüchtern realistische Sicht deutlich macht und zu welcher Alternative er einlädt.

Jesus rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein. Markus 10,42-43


… hat wieder mit der Losung des Tages zu tun.

Meine Zunge soll singen von deinem Wort; denn alle deine Gebote sind gerecht.
Psalm 119,172

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. Kolosser 3,16

Gott loben für seine Gebote. Also nicht nur für seine Gnade! Die Gebote loben, denn sie sind gerecht, sie sorgen für Gerechtigkeit, wo sie befolgt werden.

Das Wort Christi, soll unter uns wohnen. Er ist selbst das menschgewordene Wort Gottes. Er ist die Gerechtigkeit, der Friede, in diesem Wort kommt Gott ans Ziel mit seiner Welt, mit dem Kosmos. Das ist ein Grund zum Singen mit allem was wir haben.

Konrad Grebel und seine Leute haben das 1524 im Brief an Thomas Müntzer so verstanden, als sollten wir gar nicht singen, zumindest nicht laut singen, keine Instrumente zum Klingen bringen, den Gesang zu begleiten, NUR IM HERZEN SINGEN. So verstanden sie das  „singt Gott dankbar in euren Herzen“.

Das hat sich Gott sei dank nicht durchgesetzt in den Gemeinden der Täuferbewegung. Es war keine Lehre „in aller Weisheit“.


… mach ich bei meiner Mama auf. Sie ist 90 und hat noch ihren eigenen Kopf, nur ist es in dem immer schwerer bestimmte Inhalte abzurufen. Dieser Tage philosophiert sie vor allem über das Brot: Unerhört, dass da so viele Löcher drin sind, und so große Löcher. – Es erreicht sie kaum, wenn ich ihr erkläre, dass Hefe oder Sauerteig für die Löcher im Brot verantwortlich sind. Und dass der Bäcker extra Hefe oder Sauerteig verwendet, damit das Brot – dank der Löcher – schön locker wird. Täte er das nicht, wäre das Brot ein unkaubarer, ungenießbarer Klotz.

Theologisch bedeutet das, nein, das lass ich jetzt lieber. Es reicht, dass ich von Mama was gelernt habe. Ohne sie hätte ich nicht darüber nachgedacht.


Lass doch nicht Zank sein

Abram sprach zu Lot: Lass doch nicht Zank sein zwischen mir und dir
und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Brüder. 1.Mose 13,8

Gerade hat Nr. 45 verkündet, dass er den einseitigen Anspruch des Staates Israel auf Jerusalem als seine „ewige und unteilbare Hauptstadt“ anerkennt und damit wohl den Anspruch der Palästinenser auf Ostjerusalem als ihre Hauptstadt negiert.

Erstaunt lese ich die Losung des Sonntags. Sie, bzw. die Geschichte die Landteilungsgeschichte dahinter, bietet in einem Ausspruch Abra(ha)ms, Stammvater der Juden und Muslime, einen Lösungsweg. Als der ältere und überlegenere bietet er ihn seinem Neffen an. Unsere Hirten streiten um das Weideland? Schau dir das Land an und wähle. Gehst du nach links, geh ich nach rechts. Gehst du nach rechts, geh ich nach links. Lot wählte die saftigeren Weiden und Abram ging in die andere Richtung. Er ging auf dem Weg Gottes, dem Weg des Friedens.

Wer hat heute den Mut und das Gottvertrauen zu solcher Lösung? Was sagt die Schrift? Werden Rosse und Wagen, Panzer, „Jagd“flugzeuge und Raketen der Stadt Jerusalem und dem Land Israel Sicherheit und Frieden bringen?

Und wer ist Nr. 45? Hier nachlesen.


Hoffnungsträger Söder

Laut Süddeutscher Zeitung, 5.12.17, S.3, gab es 2007 schon eine Meldung: „Söder fordert Verbot für Verbrennungsmotoren ab 2020.“ Da war er seiner Zeit weit voraus. Oder nahm er sich als Mitglied einer christlichen Partei etwa das Motto zu Herzen: „Sei flexibel, sagt die Bibel.“

 


Martin Luther, Thomas Münzer oder die Gründung einer neuen Gemeinschaft

Derzeit läuft in Augsburg in einer sehr gelungenen Aufführung das provokative Stück von Dieter Forte, Martin Luther, Thomas Münzer oder die Einführung der Buchhaltung am Augsburger Theater. Angesichts all der Überhöhung Luthers als Freiheitsheld und Heros des Glaubens während des Reformationsjubiäums scheint mir Fortes 1971 erschienenes Stück auch heute noch provokant. Wenn es nicht gleich als Agitprop Theater abgetan wird.

Vor allem im ersten Teil geht es recht slapstickhaft zu und bald wird die Grundthese deutlich, die Reformation habe vor allem mit Geld und Kapitalakkumulation zu tun und auch rein gar nichts mit Glauben. Bei keinem der handelnden oder getriebenen Personen findet sich persönlicher Glaube. Luther ist nicht viel mehr als ein Werkzeug in der Hand seines Fürsten Friedrich und dessen Sekretär Spalatin. Der eigentliche Held ist Jakob Fugger und dessen Kapital.

Der zweite Teil ist ein Abgesang auf den erfolglosen Versuch der Bauernbewegung, die Macht des Feudalismus und beginnenden Kapitalismus zu brechen. Dabei kürzt die Inszenierung notgedrungen, sonst würde das Stück an die 8 Stunden dauern. Gestrichen bzw. auf Kernsätze reduziert werden die seitenlangen Zitate u.a. aus Schriften Luthers und Müntzers.  Im zweiten Teil findet sich – in der Augsburger Aufführung gestrichen – eine kleine Szene, die als einzige etwas wie Hoffnung in die trostlose Landschaft hemmungsloser kapitalistischer Ausbeutung und vergeblicher revolutionärer Auflehnung bringt und einen anderen Weg aufzeigt. Und dazu taucht Hans Hut auf:

Münzer: Unsere Sache ist dem schönen roten Weizen gleich. Wenn er in der Erde steckt, so scheint es nicht anders, als ob er nie mehr aufgehen würde. Aber er wird aufgehen. Die Oberen werden gestürzt, ihr Geschrei hilft ihnen gar nichts. …

2. Genosse: Denkt doch jeder nur an sich.

Münzer: Aber warum ist das so? Warum? Wir müssen Arbeiter, Bürger und Bauern zusammenbringen. Es geht nicht einzeln. Sie müssen begreifen: Ihr Schade ist unser aller Schade. Ihre Forderung ist unsere Forderung. Es gibt keinen anderen Weg, dieser Menscheit zu helfen, als daß wir mit ganzem Ernst, mit ausdauernder Nüchternheit die Entfremdung dieser Welt zeigen.

Hut: Ich werde eine neue Gemeinschaft gründen. Einige Leute, die zusamenleben wollen und die sich wieder mit anderen zusammenschließen. Die Ehe kann bleiben, aber die Kinder werden gemeinsam erzogen. Jeder bekommt, was er braucht. Gütergemeinschaft. Eine gemeinschaftliche Küche, Schule, Krankenhaus. Wir werden gemeinsam arbeiten und gemeinsam einkaufen, und wir werden jeden Kriegsdienst verweigern. Denn jeder Krieg ist Sünde.

Münzer: Hut, du bist ein lieber Mensch, aber jetzt geht es darum, die Voraussetzungen zu schaffen.

Hut: Ich werde eine neue Gemeinschaft gründen.

Münzer: Wenn wir durch sind, könnt ihr euch organisieren, wie ihr wollt. Jetzt brauchen wir Kernzellen in allen Städten und Ländern.

3. Genosse: Das werden die Herren auch gerade zulassen.

Münzer: Es ist die Zeit der Bewährung. Habt ihr nur eure Güter lieb? Fürchtet ihr das Leben? Wer ein Stein des neuen Hauses sein will, der wage seinen Hals. Ich kümmere mich um die Bergarbeiter. Wir brauchen die Massen. Und ihr?

1. Genosse: Franken.

2. Genosse: Schwaben.

3. Genosse: Württemberg.

Hut: Ich will eine neue Gemeinschaft gründen.

Pfeiffer: Ich sehe uns alle schon hängen. Und die Massen werden Eintritt zahlen, um dabei zu sein.

Münzer: Am Volk zweifel ich nicht.

Hut wird nicht ernst genommen. Münzer nennt ihn einen „lieben Menschen“. Doch Huts Vorschlag wird später in der Täuferbewegung verwirklicht. Er hat großen Anteil daran, dass die neue Gemeinschaft entsteht, die heute schon die zukünftige revolutionäre Welt Gottes lebt. Die u.a. von Hut gegründete neue Gemeinschaft existiert bis heute in den Gemeinschaften der Hutterer, der Mennoniten, der Amischen, der später entstandenen Quäker, der Brethren u.a

Dieter Forte, Martin Luther, Thomas Münzer oder die Einführung der Buchhaltung, Wagenbach, Berlin 1971. Fischer Taschenbuch 7065, 1981, 5. Auflage: März 2009.


6.12.1528 Todestag von Hans Hut

Augsburg, Nikolaustag, 6.12.2016, 18 Uhr. Bei nasskaltem Wetter versammeln sich ein Dutzend Leute auf dem Elias-Holl-Platz, hinterm Rathaus. Früher stand hier das „Eisenhaus“ (Stadtgefängnis). Hier kam Hans Hut, Prediger und Sendbote der Täufer, am 6.12.1527 ums Leben. Die apostolische Zahl von zwölf Anwesenden bei der heutigen Feier kommt aus einer Vielfalt von Denominationen: Katholiken, Adventisten, Mennoniten, Freie evangelische Gemeinde, Lutheraner. Auch die Augsburger Allgemeine ist vertreten und hatte schon eine ordentliche und keineswegs kurze Ankündigung gebracht. Mit schön gruseliger Überschrift: „Der Mann, dessen Leiche zum Tod verurteilt wurde“.

Wolfgang Krauß sprach über Leben und Zeugnis Hans Huts, ohne dessen Irrwege und eschatologisch geprägte Phantasien über die Wiederkunft Christi um Pfingsten 1528 zu verschweigen. Er war ein Nachfolger Jesu, der hungerte und dürstete nach Gerechtigkeit. Nach dem Scheitern der Demokratie- und Freiheitsbewegung der Bauern, fand er neue Hoffnung bei den Täufern. Von Hans Denck 1526 in Augsburg getauft, war er ab dann rastlos unterwegs, predigte und taufte. Ohne ihn gäbe es heute wohl nur halb so viele Mennoniten und Hutterer. – Zur Flötenbegleitung von Claudia Behr wurden alle zwölf Strophen des schönen Lieds von Hans Hut gesungen. O allmächtger Herr und Gott“, da ist (im 16. Jahrhundert!) schon von Schöpfungsbewahrung die Rede

Am Schluss die Seligpreisungen aus Jesu Bergpredigt, das gemeinsam gesprochene Vater Unser und der Segen des Friedens Christi. Das war eindrücklich. Zwei Jugendcliquen trafen sich auch auf dem Platz, ließen sich aber leider nicht einladen.

Der Täuferprediger Hans Hut stirbt im Gefängnis

Hans Hut 1490 – Augsburg 6.12.1527

Der Täuferprediger Hans Hut stirbt im Gefängnis. Todesursache Rauchvergiftung nach einem rätselhaften Brand in seiner Zelle. Aus den städtischen Quellen erfahren wir, er habe den Brand selbst gelegt, um im Durcheinander der Löscharbeiten fliehen zu können. Ein täuferisches Geschichtsbuch berichtet, er sei bei strengem Verhör gefoltert und bewusstlos wieder in den Turm gelegt worden. Dort sei dann eine Kerze ins Stroh gestellt worden. – In einer makabren Gerichtsverhandlung wird über seiner Leiche das Todesurteil gesprochen. Am 7.12.1527 wird das Urteil auf dem Scheiterhaufen an seinem Leichnam vollstreckt.

Aus dem Gemeindebrief der Mennonitengemeinde Augsburg, Dez 2016 / Jan 2017


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