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Martin Luther kommentiert die US-Präsidentenwahl

Trump hat die Wahl gewonnen“, war das erste, was meine Frau mittwochfrüh, 9.12.16, zu mir sagte. Ich lag noch im Bett, sie hatte aber schon Nachrichten angesehen. „Du machst Witze“, antwortete ich. Aber es war Ernst.

Drei Wochen ist das her und mehr als ein  Luther-Zitat bringe ich als ersten Kommentar nicht hin. Eine Woche nach der Wahl bin ich drauf gestoßen, als ich für ein Seminar den Text von 1526 las „Ob Kriegsleute auch in images1seligem Stand sein können“. Klar, sagt Luther vor 490 Jahren, können sie! Wie soll die Welt ohne Kriegsleute funktionieren? Wie sollen die Fürsten regieren ohne Soldaten? Mit der Bergpredigt geht das nicht. Die gilt für die Christen nur privat.

Allerdings gibt Luther den Fürsten und Soldaten doch einigen Ratschläge, wie sie ihr Handwerk betreiben sollen. Manches davon durchaus guter Rat für einen künftigen US-Präsidenten, der sich wohl kaum entschließen wird, die US-Armee abzuschaffen. Und Luther kommt tatsächlich auf das Markenzeichen Donald Trumps zu sprechen, seine gelben Haare. Ich kürze es mal so: Ein … Fürst …, der dieses Amt [nur] … wahrnimmt …  seiner schönen gelben Haare willen, … der ist ein Narr. Auf frühneuhochdeutsch wird noch klarer , wer gemeint ist: „trump seiner schonen, gelhen har willen“.

Wer mehr Kommentar braucht, lese das Zitat unten im Zusammenhang – in heutigem oder im Original-Luther-Deutsch oder die ganze Schrift „Ob Kriegsleute …“. Sie lässt sich mittels Suchmaschine im Netz finden. Wer wissen will, ob Kriegsleute tatsächlich „in seligem Stand“ sein können, der lese Matthäus 5-7, um zu erfahren, wen Jesus selig preist.

Seltsam, dass im „Lutherjahr“ noch niemand sonst auf diesen Text gestoßen ist. Wird doch sonst jeder Furz von Dr. Martinus zitiert.

 

Ob kriegsleute auch ynn seligem stande seyn kuenden. 1526

… Wo aber ein Herr odder Fuerst solch seines ampt und befelhs nicht war nympt und lest sich duncken, er sey nicht umb seiner unterthanen willen, sondern umb seiner schonen, gelhen har willen Fuerst, als hette yhn Gott daruemb zum Fuersten gemacht, das er sich seiner gewalt, guts und ehren frewen solle, lust und trotz drynnen haben und sich drauff verlassen, der gehort unter die heyden, ja er ist ein narr. Denn der selbige solt wol umb einer tauben nus willen krieg anfahen und nichts ansehen, denn wie er seinen mutwillen buesset. Dem selbigen weret nu Gott damit, das andere auch feuste haben und jensyt des berges auch leute sind, und behelt also ein schwerd das ander ynn der scheiden.

Ob Kriegsleute auch in seligem Stand sein können. 1526

Ein Herr oder Fürst aber, der dieses Amt und diesen Auftrag nicht wahrnimmt, sondern meint, er sei nicht um seiner Untertanen willen, sondern seiner schönen gelben Haare willen Fürst, Gott habe ihn zum Fürsten gemacht, damit er sich seiner Macht, seines Besitzes und seiner Ehre freue, dass er Spaß daran habe und auch die Möglichkeit, trotzig aufzutreten und sich darauf zu verlassen, der gehört unter die Heiden, ja, der ist ein Narr. Denn dieser selbe dürfte auch um einer tauben Nuss willen einen Krieg anfangen und auf nichts anderes sehen als darauf, wie er seinen bösen Willen befriedigt. Solchen tritt Gott entgegen dadurch, dass auch andere Fäuste haben und jenseits des Berges auch Leute wohnen. So hält ein Schwert das andere in der Scheide fest.


Nikolaustag, Dienstag 6.12.2016, 18 Uhr, Erinnerung an Hans Hut

Elias-Holl-Platz, hinter dem Rathaus, damals „Eisenhaus“ (Stadtgefängnis)

 

Augsburg 6.12.1528. Der Täuferprediger Hans Hut stirbt im Gefängnis. Todesursache Rauchvergiftung nach einem rätselhaften Brand in seiner Zelle. Aus den städtischen Quellen erfahren wir, er habe den Brand selbst gelegt, um im Durcheinander der Löscharbeiten fliehen zu können. Ein täuferisches Geschichtsbuch berichtet, er sei bei strengem Verhör gefoltert und bewusstlos wieder in den Turm gelegt worden. Dort sei dann eine Kerze ins Stroh gestellt worden. – In einer makabren Gerichtsverhandlung wird über seiner Leiche das Todesurteil gesprochen. Am 7.12.1527 wird das Urteil auf dem Scheiterhaufen an seinem Leichnam vollstreckt.

Hans Hut 1490 - Augsburg 6.12.1527

Hans Hut 1490 – Augsburg 6.12.1527

Die andere Reformation in Augsburg

Mit dem Gedenken startet eine  Veranstaltungsreihe zur “Anderen Reformation in Augsburg” im Rahmen der Erinnerung an “500 Jahre reformatorischer Bewegung, 1517-2017″

Taufe als Zeichen der Entscheidung

Gartengeschwister wurden sie in Augsburg genannt. Zwischen 1526 und 1528 sollen es um die 1000 Brüder und Schwestern gewesen sein. Von ihren Gegnern als Ketzer, Aufrührer, Wiedertäufer, Schwärmer, Himmelsstürmer, neuer Tauforden oder neue Möncherei diffamiert, bezeichnet die historische Forschung sie heute als Täuferbewegung. Sie übten Kritik an der Säuglingstaufe und wollten wie die frühe Kirche nur Erwachsene taufen. Die Taufe sahen sie als Zeichen der Entscheidung, Jesus nachzufolgen. Dass viele der Obrigkeit wegen der von Jesus gebotenen Feindesliebe den Waffendienst verweigerten, machte sie bei den Mächtigen nicht beliebter. Vom Augsburger Stadtrat und der offiziellen Reformation in den Untergrund abgedrängt, wurden sie schließlich gewaltsam aus der Stadt vertrieben. Fast überall im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation waren sich die entstehenden lutherischen und reformierten Kirchen mit der katholischen Kirche und den jeweiligen Landesherren einig: Die Täufer gehören als „Aufrührer“ und „Gotteslästerer“ kriminalisiert, verfolgt und vernichtet. Luthers Mitarbeiter Melanchthon verdammte die „Wiedertäufer“ im Augsburger Bekenntnis in vier Artikeln. Ein gemeinsames Feindbild sollte Brücken bauen zur katholischen Religionspartei. In Gutachten empfahl Melanchthon den Obrigkeiten die Todesstrafe für „halsstarrige“ Täufer. Ihre Verfolgung war sozusagen die erste „ökumenische“ Aktion nach der Kirchenspaltung.

Augsburg, Zentrum der Täuferbewegung

Augsburg war neben Straßburg Hauptzentrum der Täuferbewegung. Erst seit 1926 gibt es in Augsburg eine Mennonitengemeinde, benannt nach dem niederländischen Prediger Menno Simons, 1496-1561, steht sie in der täuferischen Tradition. Auch die im 19. Jahrhundert entstandenen Baptisten- und freien evangelischen Gemeinden verdanken Taufverständnis und andere Impulse der Täuferbewegung. Ebenso die Anfang des 20. Jahrhunderts entstehenden Pfingstgemeinden und andere freie Gemeinden.

Wenig war bisher in den Jubiläumsveranstaltungen zu 500 Jahre Reformation von diesem damals unterdrückten Flügel der Reformation die Rede. Das soll sich für Augsburg ändern. Religions- und Gewissensfreiheit stehen zwar im Grundgesetz und sind hierzulande weitgehend gewährleistet. Doch in vielen Ländern werden Christen u.a. religiöse Minderheiten verfolgt. Auch in Deutschland sind, wenn vom „bedrohten christlichen Abendland“ die Rede ist, gefährliche Töne zu hören.

Heutige und zukünftige Herausforderungen

Beginnend am 6.12.2016 möchte eine Veranstaltungsreihe an die Anfänge der Täuferbewegung erinnern und nach heutigen und zukünftigen Herausforderungen fragen. –„Komm, folge mir nach!“ lautet die herausfordernde Einladung Jesu seit bald 2000 Jahren. Im Ruf nach Kirchenreform wurde sie vor 500 Jahren neu gehört. Wie antworten wir auf diesen Ruf heute?


MUT

MUT steht in überlebensgroßen Lettern auf einem Flachdach über dem Augsburger Rathausplatz.

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Vorgestern abend höre ich im Zeughaus – dem ehemaligen Waffenlager der freien Reichsstadt – die Geschichte von André Shephard, dem mutigen Deserteur, der seinen Einsatz als US-Soldat in Irak verweigert, als ihm klar wird, an welchen Verbrechen er da mitwirkt. Spät am Abend erfahre ich erst durch einen Anruf von dem Attentat in München. Warum nicht schon, als wir mit drei vier Dutzend Friedensleuten beisammen waren?  Hatten alle noch nichts davon gehört? Ich war sogar nach 21 Uhr am Bahnhof und wunderte mich, warum der ICE nach München im Gleis stand. Später wurde mir klar, warum er nicht weiterfuhr. Schließlich eine lange Nacht an PC und Fernsehen, statt des Medienfastens zuvor.

Samstag um 10 warte ich am Rathaus. MUT MÄRTYRER steht auf meinem Pappschild. Was soll das? fragt ein Mann mittleren Alters. Ja, sage ich, da hat sich gerade wieder einer selbst zum Märtyrer gemacht und viele andere mitgenommen in den Tod. Hier geht’s um andere Märtyrer. Sie wurden getötet, weil sie der Gewalt und dem Töten Widerstand leisteten. Ich folge in meiner Stadtführung dem Thema MUT durch die Jahrhunderte vom Märtyrertod der Stadtheiligen Afra im Jahr 304 über die aus Augsburg vertriebenen Geschwister der Täuferbewegung, bis zu den Männern und Frauen, die Hitler und den Nazis mutig widerstanden. – Wir kommen ins Gespräch. Er wohnt in Augsburg, ist bei der Polizei in München, hatte damit gerechnet, auch zum Einsatz gerufen zu werden. Gibt es keine Kundgebung wie bei Charlie Hebdo auf dem Königsplatz? Wir erkundigen uns im Rathaus Souvenirlädchen, bei der AZ, im Touristeninfo, dort schaut man im Internet. Nichts zu finden. Wir sind uns einig, der Terror lässt sich nicht mit materiellen Waffen besiegen. Klar muss der Staat mit seinem Gewaltmonopol dagegen halten, das eigentliche Schlachtfeld liegt aber auf der geistlichen Ebene. – Märtyrer, das sind in der kirchlichen Überlieferung die gewaltfreien Zeugen und Zeuginnen Christi. Jesus ging seinen Feinden in Liebe gewaltfrei entgegen. – Guten Tag noch, wünsche ich meinem Gesprächspartner, hoffentlich ohne unerwarteten Einsatz.

Ewas später komme ich am Gemeindehaus St. Anna vorbei. Ein vielstimmiger Blockflötenchor übt gerade. Ich summe mit: Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald. – Wie haben wir uns verlaufen, wenn schon die Kinder vom Flammentod im Ofen singen? Welche Bedrohung bedeutet die finstere Hexe im tiefen Wald und werden wir mit ihr fertig, wenn wir die Sache einfach umdrehen? Hexenprozesse sind auch ein Thema meiner Stadtführung.

MUT in überlebensgroßen Lettern über dem Rathausplatz. Mut – wir brauchen ihn zum Leben und Überleben.


… im Nordosten Nigerias wird die aufgeregte
Anti-Islam-Polemik der letzten Wochen dementiert? Der
menschenverachtenden Aggression der Terrormiliz Boko Haram setzt die
etwa eine Million Glieder zählende Ekklesiyar Yan’uwa a Nigeria (EYN –
Kirche der Geschwister) eine doppelte Waffe entgegen. …
Gewaltfrei trotz Boko Haram
Interreligiöse Friedensarbeit im Angesicht des Terrors
Ephraim Kadala & Hussaini Shuaibu zur Situation in Nordostnigeria
Augsburg16-05-13GewaltfreiTrotzBokoHaramPlakat
Freitag 13.5.16, 19.30, Lauterlech 49, 86152 Augsburg,
Ev. meth. Kirche

Ephraim Kadala, Pastor der Ekklesiyar Yan’uwa a Nigeria (Kirche der
Geschwister, EYN), und Hussaini Shuaibu, muslimischer Mitarbeiter der
Christian and Muslim Peace Initiative, (CAMPI), berichten von der
Gewalt gegen Christen und Muslime im Nordosten Nigerias.

Im April 2014 entführte die Terrororganisation Boko Haram 276
Schülerinnen. Die meisten gehörten zur EYN. Seit Jahren terrorisiert
Boko Haram die Christen der Region, tötete mehr als 10.000 Menschen
und vertrieb Tausende aus ihrer Heimat.

Trotz der Aggression hält die EYN an der Friedensbotschaft des
Evangeliums fest und unterrichtet ihre Glieder in der biblischen Lehre
von Frieden und Versöhnung, knüpft Kontakte zu dialogbereiten
Muslimen, arbeitet gegen die ökonomischen und politischen Ursachen der
Gewalt. Der Schwerpunkt ihres Beitrags zur friedlichen Koexistenz von
Muslimen und Christen besteht in Ausbildung und Training für
Konfliktsituationen, sowie Traumabearbeitung. Dafür erhalten EYN und
CAMPI am 20.5 2016 in Rottenburg/Neckar den Michael-Sattler-Friedens-
preis des Deutschen Mennonitischen Friedenskomitees .

Veranstalter:
Augsburger Friedensinitiative,
Evangelisch methodistische Kirche,
Mennonitengemeinde,
pax christi – Internationale katholische Friedensbewegung

www.michael-sattler-friedenspreis.de


Bei ihrem Auftritt zum Neujahrsempfang der Augsburger AfD erhielt Frauke Petry den Lokomotivführer Lukas als Marionette der Augsburger Puppenkiste als Geschenk. Die Augsburger Allgemeine Zeitung druckte ein Interview mit dessen Freund Jim Knopf ab. Darin wird er gefragt, ob er selber denn zu Petry ziehen würde. Seine Antwort: “nur ganz kurz …, um meinen Freund Lukas den Lokomotivführer dort rauszuziehen.” Auf die Frage, was er zu den vielen dunkelhäutigen Jungs aus fernen Ländern meint, die derzeit in Augsburg leben: “Ich hoffe, dass jeder, der in seiner Heimat um sein Leben fürchten muss, in Deutschland sein eigenes Lummerland finden darf.”

Das ganze Interview ist hier nachzulesen http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Jim-Knopf-im-Interview-Ich-wuerde-nur-kurz-zu-Frau-Petry-ziehen-id36969032.htm


Impressionen und Gedanken aus etwas anderer Perspektive

Große Aufregung in der Friedensstadt Augsburg. Ein von Oberbürgermeister Gribl gegen Frauke Petry, Bundesvorsitzende der AfD, ausgesprochenes Rathausverbot war am Mittwoch vom Verwaltungsgericht mit Verweis auf die Meinungsfreiheit gekippt worden. Die beiden AfD-Stadträte hielten an ihrer Einladung Petrys zu ihrem Neujahrsempfang für 12.2.16, 19.30 fest. Als Reaktion berief der OB eine außerordentliche Stadtratssitzung auf 18 Uhr in den goldenen Saal des Rathauses ein. Um 18.30 startete eine Mahnwache des Bündnisses für Menschenwürde vor dem Rathaus. Dort fanden sich schließlich mehr als 3.000 Menschen ein. Die Ratssitzung dagegen war schlecht besucht. Wenige Bürger und nur Stadträte der Regierungskoalition aus CSU, SPD und Grünen hatten sich eingefunden. Die AfD-Räte waren natürlich bei ihrem demnächst startenden Neujahrsempfang. Die Oppositionsräte diverser Kleinparteien entweder abwesend oder draußen bei der Mahnwache.

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Wir sind Friedensstadt! bekräftigt ein riesiges Transparent.

 

In den überregionalen Medien fand das Augsburger Geschehen Beachtung. Die Augsburger Presse berichtete ausführlich.

Das Ansehen der Friedensstadt

OB Gribl betonte zu Beginn, der Auftritt Petrys schade dem Ansehen der Friedensstadt Augsburg. Vor allem ihr Plädoyer für Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge sei mit dem friedensstädtischen Selbstverständnis Augsburgs nicht vereinbar. Im Laufe der Sitzung ging es denn auch um eine Änderung der Nutzungsordnung fürs Rathaus, die in Zukunft Veranstaltungen ausschließe, die “dem Ansehen der Friedensstadt schaden”.  Ausführlich sprach Kulturreferent Weitzel von der “Friedenstradition als prägendem Element der Stadtgeschichte”. Von der Confessio Augustana 1530 über den Augsburger Religionsfrieden 1555 bis zum Westfälischen Frieden 1648 und dem Beginn des Friedensfestes am 8.8.1650 seien in Augsburg Schritte zu friedlichem Miteinander widerstreitender Absolutheitsansprüche und freie Religionsausübung getan worden.

Helmut Hartmann, Augsburger Friedenspreisträger und Überlebender der Nazidiktatur, bekundete seine Dankbarkeit für die gewachsene Demokratie in Deutschland. Aus unserem heutigen Reichtum erwachse eine Verpflichtung gegenüber Menschen auf der Flucht. Als Flüchtlinge aus Nazideutschland an den geschlossenen Grenzen anderer Länder abgewiesen wurden, gingen sie in den sicheren Tod. Das dürfe nicht wieder sein. Frieden sei die Leitkultur des Christlichen Abendlandes.

Der runde Tisch der Religionen will Grenzen überwinden

Stadtdekanin Susanne Kasch sprach für den Runden Tisch der Religionen. Dessen Ziel sei laut Satzung, „zum friedlichen Zusammenleben der Menschen in Augsburg beizutragen, Konflikte zu entschärfen, bei denen religiöse Faktoren eine Rolle spielen, sowie Verständnis für die Ausübung der unterschiedlichen Religionen in der Stadtöffentlichkeit zu wecken.“ Sie zitierte aus der gemeinsamen Stellungnahme von Christen, Juden, Muslimen, Aleviten und Buddhisten zum Friedensfest, 8.8. 2015. Darin wird die Sorge ausgedrückt angesichts der Konflikte weltweit, auch der Anschläge gegen Flüchtlingsheime hierzulande. Die “Sehnsucht nach Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden” verbinde alle Menschen und sei uns “vom Schöpfer der Welt mitgegeben”. Wir Menschen seien, “fähig und berufen zu Mitmenschlichkeit und einem Leben in Freiheit und Gerechtigkeit”. Menschen auf der Flucht seien “unsere Mitmenschen” und hätten daher “Anspruch auf unsere Solidarität und Hilfe”. Gemeinsame Aufgabe am Runden Tisch der Religionen sei es “beizutragen, dass Grenzen unter uns überwunden werden”.

Weiter sprachen Prof. Weller vom Studiengang für Friedens- und Konfliktforschung und die Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Margaretha Hackermeier.

Fragen eines skeptischen Dissidenten

Die Neuformulierung der Nutzungsordnung wurde einstimmig angenommen. OB Gribl kündigte zudem die Vorlage eines Grundtextes “Friedensstadt Augsburg” an, um das Selbstverständnis “verschiedener Formate der Friedensstadt” zusammenzuführen. Unter “Verschiedenes” gab es noch die Wortmeldung von Stadtrat Peter Grab, der als einziger Dissident grundsätzliche Bedenken anmeldete zu einem Hausverbot. Er könne sich der von den Vorrednern geäußerten Grundsätzen voll anschließen, teile auch die  Kritik an der “Schusswaffenäußerung” der AfD-Vorsitzenden. Allerdings halte er demokratische Grundrechte und politische Auseinandersetzung für nicht disponibel. Auch er wolle Petry nicht im Rathaus reden hören. Ein Redeverbot sei jedoch mit der demokratischen Auseinandersetzung nicht vereinbar. Auch kritisierte er die Eile der Nutzungsänderung. Er beendete seine Stellungnahme mit dem Vorschlag, die Stadträte sollen ihr heutiges Sitzungsgeld einer Organisation spenden, die gegen Hass und Gewalt arbeite. – Zuvor war die neue Verteilung der Ausschusssitze mitgeteilt worden. Sie war daraus entstanden, dass Grab und seine Gruppierung (WSA) die bisherige Ausschussgemeinschaft mit den beiden AfD Räten gekündigt hatte. – Grab lässt sich seine Distanzierung also durchaus etwas kosten. Er darf in keinem Ausschuss mehr mitreden. – Stadtrat Cemal Bozoglu schilderte in einem persönlichen Zeugnis, wie er vom politischen Flüchtling vor der Militärherrschaft in der Türkei zum Augsburger Bürger wurde.

Auf dem Rathausplatz

Draußen auf dem Rathausplatz waren inzwischen 3.000 Menschen zusammengekommen. Mit selbstgemalten oder vom Bündnis für Menschenwürde vorgefertigten Schildern protestierten sie gegen AfD und das Auftreten Petrys. Stadtdekanin Kasch und OB Gribl hatten sie Sitzung vorzeitig verlassen, um auch noch zur Menge zu sprechen. Ihre und weitere Reden konnte ich vom goldenen Saal aus nicht hören. Ein einzelner Demonstrant umkreiste die Menge mit einem Schild, das ähnlich textete wie Peter Grab. “Demokratie: Argumente statt Verbote.” Eine Luftballonaktion des Stadtjugendrings ließ hunderte weiße Luftballons mit der Aufschrift “Amore statt Peng Peng” aufsteigen.

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Ein zwiespältiges Gefühl

Es ist gut, dass den fremdenfeindlichen Positionen der AfD klar und deutlich widersprochen wird. Insgesamt habe ich dennoch ein zweispältiges Gefühl. Vielleicht rührt es zum einen von der allzugroßen Selbstgewissheit der Augsburger (über)großen Koalition und der wahrnehmbaren Häme gegenüber dem einzigen anwesenden Dissidenten Peter Grab und seinen doch wichtigen Fragen. Zum anderen wäre die CSU als größte Regierungsfraktion zu fragen, wie denn ihre begrüßenswert klare Haltung gegen die AfD zu  Äußerungen und Verhalten ihres Vorsitzenden Seehofer passt. Er nennt Deutschland einen “Unrechtsstaat”, sucht den Schulterschuss mit Putin in Moskau, während dessen Bomben in Syrien für neue Flüchtlinge sorgen.  Wie steht der  stellvertretende CSU-Vorsitzende Gribl dazu? Zum dritten die Frage: Hat die Skandalisierung des AfD-Neujahrsempfangs, das nicht durchsetzbare Haus- und Redeverbot, und auch die massenhafte Mahnwache der AfD nicht eine vielfache öffentliche Aufmerksamkeit beschert, als hätte man sie unbeachtet reden lassen? Spielt das nicht dieser Partei und ihrer Aschenputtelstrategie in die Hände? Und zuletzt: Sollte das Geschichtsbild einer Friedensstadt nicht etwas differenzierter und weniger einseitig heroisch sein, als es Kulturreferent Weitzel skizzierte?

Kleiner Exkurs zum Geschichtsbild der Friedensstadt Augsburg

Als Gipfel des Unfriedens stellte Weitzel die Schließung der evangelischen Kirchen und die Absetzung der evangelischenPrediger und Ratsherren dar. Ohne allerdings zu erwähnen, dass auch die lutherische Seite, wenn sie die Macht hatte, entsprechend intolerant agierte: Ausweisung der Priester und Orden, Verbot der Messe … Ebenfalls unerwähnt die Vertreibung der Täufer und anderer Dissidenten, die Verdammung der “Wiedertäufer” in der Confessio Augustana. Auch der große Schönheitsfehler des Religionsfriedens wurde nicht benannt: Religionsfreiheit nur für die Mächtigen, denen erlaubt wurde, ihre Untertanen zu Lutheranern oder Katholiken zu machen. Zur Augsburger Parität waren nur Lutheraner und Katholiken zugelassen. Schließlich sprach Weitzel im großkirchlich üblichen Ökumenesprech von der Koexistenz der “beiden” christlichen Konfessionen. Dass es (offiziell) nur zwei waren, war eine Machtfrage und kaum ein Friedenszeugnis. Alle anderen wurden in den Untergrund gedrängt. Sollte eine Friedensstadt sich nicht ein ungeschöntes Geschichtsbild leisten?

Die Kaiserbilder im Goldenen Saal

War ich der einzige, der während der Stadtratssitzung an den Seitenwänden des goldeneen Saales die überlebensgroßen Bilder der römischen Kaiser betrachtete? Linker Hand die heidnischen Kaiser seit Augustus, dem Namensgeber Augsburgs, rechter Hand die christlichen Kaiser seit Konstantin. Seltsam nur, dass kein sichtbarer Unterschied zwischen christlichen und heidnischen Herrschen ins Auge fällt. Beide posieren stolz mit dem Schwert als Zeichen ihrer Herrschaftsgewalt. Sollte das “Schwert”, modern gesprochen der “Schusswaffengebrauch”, am Ende zum unverzichtbaren Inventar staatlicher Herrschaft gehören?  Was bedeutet dann die laute Empörung über Frauke Petrys Äußerung zum Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge? Sind die schwarz-rot-grünen Stadträte inzwischen alle Pazifisten geworden?

Der stärkste Widerspruch

Als ich schließlich doch bei der 3.000köpfigen Mahnwache auf dem Rathausplatz ankomme, wundern mich zum einen die lokalpatriotischen Texte der dort singenden beiden Sebastians: sonntäglicher “Duft nach Braten”, reimt(!) sich da auf “parkende Mittelklassewagen”.  Und noch etwas irritiert mich: das Bündnis für Menschenwürde hatte Pappschilder vorgedruckt. Da gab es die Auswahl zwischen fünf Sätzen: Wie kommt es, dass ausgerechnet der stärkste Widerspruch gegen Petrys “Schießbefehl” als Demospruch kaum Anklang findet? Vom Stapel mit dem Text “Du sollst nicht töten! 5. Gebot” sind kaum Schilder genommen. Andere sind “ausverkauft”. Ich sehe das 5. Gebot in der Menge nur einmal. Noch dazu meint der Träger: Der beste Spruch gegen die Islamisierung. – Hallo, entgegne ich, auch im Koran ist doch das Töten verboten.

5Gebot

Unterschiedliche Nachfrage nach Demo-Schildern


Augsburg oder die wilde 13

Am Nikolaustag 2015 zog die Fregatte F 213 der Bundesmarine in den Krieg. Sie soll den französischen Flugzeugträger Charles de Gaulle im Kampf gegen den Terror des IS schützen. Nach ihrer Kennung trägt sie den Spitznamen “Wilde 13″. Offizieller Name ist Augsburg.Nun ist die Friedensstadt also in den Krieg gezogen. Schließlich wurde sie 15 vor Christus als römisches Militärlager gegründet und durch ihre ganze Geschichte zieht sich bis heute die Tradition der Pax Romana oder Pax Augusta, dem mit überlegener Militärgewalt gesicherten Frieden. Zwar gibt es spätestens seit dem Martyrium der Heiligen Afra 304 nach Christus  auch das leidensbereite Zeugnis der Pax Christi – dem Frieden Christi, der auf Gewalt verzichtet. Doch der Antagonismus zwischen beiden Friedenshaltungen zieht sich bis in die heutige Zeit.

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Die Wilde 13 – das war doch das gleichnamige Kinderbuch von Michael Ende, kongenial verfilmt von der Augsburger Puppenkiste. Eine Seeräuberbande, also Terroristen, die nicht bis 13 zählen konnte und der erst von ihrem neuen Häuptling Jim Knopf ein bisschen Mathe beigebracht wurde. Bitte nachlesen, wie dieser Bub mit Migrationshintergrund mit der Terrorbedrohung umging. Es war wenig militärisch.


Bitte an MdBs gegen den Kriegseinsatz zu stimmen

Heute abend hab ich noch Mails an die Wahlkreisabgeordneten der CDU und SPD geschrieben. Hier zunächst das Mail an den CDU-MdB:

Von    : Wolfgang Krauss <WKrauss@gmx.net>
An     : stephan.harbarth.wk@bundestag.de
Datum  : Donnerstag, 3. Dezember 2015, 23:48
Betreff: Bundeswehreinsatz Syrien

Lieber Herr Harbarth,

Sie haben auf Ihrer Webseite vor allem Tweets über ihre diversen Besuche auf Weihnachtsmärkten stehen. Ich nehme aber an, dass Sie sich auch Gedanken über die morgige Abstimmung im Bundestag betr. den Einsatz deutscher Truppen im Syrienkrieg gemacht haben.

Nun berichteten ja kürzlich auch die RNZ wie viele andere Zeitungen über die Bedrohung der Weihnachtsmärkte durch IS. Verstehe ich Sie recht, dass Sie durch den demonstrativen Besuch möglichst vieler Weihnachtsmärkte ein deutliches Zeichen gegen IS setzen wollen? Wir lassen uns unsere Art zu leben nicht kaputt machen.

Ich sehe das Zeichen gegen IS vor allem darin, dass seit September die Grenze für Kriegsflüchtlinge offen ist. 1 Mio Flüchtlinge sind zu uns gekommen, darauf können wir stolz sein. Bundeskanzlerin Merkel hat es möglich gemacht. Darunter die Mehrzahl
Männer, viele davon wollen nicht für irgendeine der Kriegsparteien kämpfen. Bei vielen Fluchten geht es nicht nur darum, das eigene Leben zu retten, sondern  auch nicht zu kämpfen. Flüchtlinge sind Kriegsdienstverweigerer.

Ein Krieg kann nur geführt werden, wenn Soldaten, meist Männer, mitmachen. Ich fordere Sie auf, sich dafür einzusetzen, dass weiter riegsflüchtlinge in unser Land kommen können. Das ist aktive Friedenspolitik gegen IS.

Wir haben als Land mit der Aufnahme der Flüchtlinge schon mehr gegen Daësch getan, als alle anderen Länder der EU. Wir sollten weiter den Kriegdienstverweigerern helfen und keine deutschen Soldaten schicken.

Die Flüchtlinge aus der DDR waren Ende der 80er Jahre mit entscheidend, genauso wichtig wie die Bürgerrechtler.
Demonstrationen sind heute in Syrien schwer möglich, Flucht ist das deutlichste Nein zu diesem Krieg und allen die ihn führen.
Unterstützen Sie weiter dieses Nein.

Stimmen Sie morgen gegen den Militär-Einsatz! Engagieren Sie sich für eine Friedenspolitik, die den Namen verdient!

Mit freundlichem Gruß, Wolfgang Krauß

Warum nicht Bodentruppen??

Und hier das Mail an den SPD-MdB, seine Stellungnahme auf die ich mich beziehe hier
Von    : Wolfgang Krauss <WKrauss@gmx.net>
An     : lars.castellucci.ma01@bundestag.de
Datum  : Donnerstag, 3. Dezember 2015, 23:35
Betreff: Bundeswehreinsatz in Syrien

Lieber Herr Castellucci,

Sie werde also morgen im Bundestag für den Einsatz deutscher Truppen im Syrienkrieg stimmen, so verstehe ich die Stellungnahme auf Ihrer Netzseite.

Wenn es stimmt, dass Daësch “eine Mörderbande” ist, dann sollte man ihnen nicht den Krieg erklären, sondern sie als Kriminelle verfolgen. Ob sie aber nur eine “Mörderbande” sind? Daësch ist dabei, sich zu organisieren und als “Staat” zu institutionalisieren. Ihnen den Krieg zu erklären, heißt in ihre Falle zu laufen. Sind Staaten nicht alle in der Gefahr “Mörderbanden” zu sein? Die Mittel haben sie durch Ihre Armeen. Einige der gegen Daësch stehenden Mächte haben Atomwaffen und damit ein Vielfaches der Vernichtungsmöglichkeit der Daësch-Truppen. Wieviele Menschenopfer haben die französischen Atomwaffen gekostet
schon ohne dass sie bisher im Einsatz waren? Vor 70 Jahren töteten die US-Atombomben in Japan auf enen Schlag 150.000 Menschen. Mehrere 100.000 Tote jüngst durch die US-Kriege gegen Irak, da muss Daësch sich noch “anstrengen”. 6 Mio im deutschen Namen getötete Juden vor 70 Jahren, auch da hat Daësch noch aufzuholen. Sorry, ich will nicht zynisch werden. Aber es gilt doch die Relationen zu sehen. “Wir” sind nicht die Guten.

Sie sprechen vom deutschen Sonderweg. Den gibt es faktisch, er ist seit September gekennzeichnet durch die für Kriegsflüchtlinge offene Grenze. 1 Mio Flüchtlinge, darunter die Mehrzahl Männer, viele davon wollen nicht für irgendeine der Kriegsparteien kämpfen. Bei vielen Fluchten geht es nicht nur darum, das eigene Leben zu retten, sondern auch nicht zu kämpfen. Flüchtlinge sind Kriegsdienstverweigerer.

Ein Krieg kann nur geführt werden, wenn Soldaten, meist Männer, mitmachen. Ich fordere Sie auf, sich dafür einzusetzen, dass weiter Kriegsflüchtlinge in unser Land kommen können. Das ist aktive Friedenspolitik gegen Daësch.

Wir haben als Land mit der Aufnahme der Flüchtlinge schon mehr gegen Daësch getan, als alle anderen Länder der EU. Wir sollten den Kriegdienstverweigerern helfen und keine deutschen Soldaten schicken.

Sie schreiben “Militärische Gewalt muss immer das letzte Mittel sein.” Nein, muss es nicht. Viele Konflikte werden durch dieses “letzte” Mittel verschärft und verlängert. Wer entscheidet, dass nun der Zeitpunkt für das “letzte” Mittel da ist? Sie werden das morgen im Bundestag tun. Woher wissen Sie, dass nicht andere Mittel bereit und möglich sind. Ein bisschen Fantasie wäre besser, als nun auch von deutscher Seite das Dreinschlagen zu unterstützen.

Und wenn schon Militäreinsatz unvermeidlich wäre, warum dann nicht Bodentruppen schicken, wie es alle Experten für notwendig halten, um Daësch wirklich militärisch zurückdrängen zu können? Das wäre die Logik Ihres Satzes “Wenn man an diesem letzten Punkt angekommen ist, muss man bereit sein, das zu tun, was notwendig ist.”

Gott verhüte, ich will nicht den Bodeneinsatz befürworten, nur die (Un)Logik Ihrer Argumente aufzeigen.

Stimmen Sie morgen gegen den Einsatz!

Wolfgang Krauß


Endlich kann ich letzte Woche eine erste Etappe des Donauradweges unter die Räder nehmen. Zugegeben, eine recht kurze Strecke, nur wenig mehr als 30 km. Nach einer Tagung im Haus der Dillinger Franziskanerinnen, mit Gepäck und bei völlig verhangenem Himmel ist es nicht gerade eine Traumstrecke, zumal der Weg nur selten an der Donau direkt verläuft, immerhin aber über das Schlachtfeld des spanischen Erbfolgekrieges. Der radfahrende Tourist wird mit ansprechenden Schautafeln über diese große europäische Schlacht informiert. 14.000 Tote waren das Ergebnis vor 311 Jahren. Gruselig und lange her dieser “erste Weltkrieg”, der von Frankreich und Bayern gegen Österreich und England gekämpft wurde. Weltkrieg, weil auch Holland, Preußen, Dänemark, Württemberg, Braunschweig und Hessen-Kassel auf englisch-österreichischer Seite in den Krieg zogen und es sogar in Nordamerika Kämpfe gab. Wieviele Opfer wird der aktuelle Krieg gegen den Terror kosten? Gerade von Frankreich ausgerufen, soll auch Deutschland nach dem Willen der Großen Koalition sich beteiligen. Hat nicht der alte Krieg gegen den Terror nach 9/11 bewiesen, dass Terror durch Krieg nicht zu besiegen ist? Warum fallen die Mächte in Ost und West auf die Provokation der terrorISten herein? Nun darf IS Kriegspartei sein!

Auf dem Weg durchs breite Donautal komme ich an vielen einsamen Höfen vorbei, hier Schwaige genannt. Von Dillingen bis Donauwörth begegne ich keinem anderen Radfahrer, ich bin ganz alleine unterwegs. Das Gegenteil von Saison auf dem sonst oft überlaufenen Donauradweg. Um das Hofgut Bäldleschwaige plötzlich steigt das Verkehrsaufkommen, doch nicht Radfahrer kommen mir entgegen, sondern PKWs. Hunderte und ein halbes Dutzend Reisebusse belegen den großen Parkplatz.

Ein Feuer lodert in einer Blechtonne und wird neu gefüttert. Dann die Ursache des Auftriebs: viele Buden, lichtergeschückt, Weihnachtsmelodeien ausstoßend, auch die typischen Gerüche eines “Christkindlesmarktes” Bratwurst, Glühwein, Waffeln kandierte Mandeln. So fest ich kann, trete ich in die Pedale, denn hatte es in den Medien nicht geheißen, gerade die Weihnachtsmärkte könnten jetzt Ziel der terrorISten sein? Auf dem Augsburger Weihnachtsmarkt wurde ein Kinderkarusell angezündet. Nichts wie weg! Mit Bratwürsten und Waffeln will ich nicht in Stücke gerissen werden. Endlich habe ich einen vernünftigen Grund, Weihnachts- und ChrISstkindlesmärkte zu meiden. Die letzten Jahre war es nur meine alle Jahre sich steigernde Weihnachtsmarktallergie. Ein Stigma, das mich in den Augen vieler asozial aussehen ließ. Nach wenigen hundert Metern kann ich vom breiten Weg des Marktes abbiegen und weiter radeln in den dämmriger werdenden Abend.

 

 


Als in Paris am Freitag abend terroristische Attentäter ihre blutigen Anschläge durchführten, waren 150 Bammentaler Bürgerinnen und Bürger in der Mehrzweckhalle versammelt zur Gründungsversammlung des Flüchtlingshilfevereins jAsyl.  Andrea van Bebber gab eine Einführung ins aktuelle Asylrecht und anschließend wurden viele praktische Ideen gesammelt, wie die im Dezember erwarteten ca. 90 Männer aus Irak, Eritrea, Syrien … willkommen geheißen werden können. Die meisten werden Flüchtlinge vor dem Terror des IS sein. Oder vor der Gewalt der syrischen Regierung gegen das eigene Volk. Oder vor den chaotischen Verhältnissen nach mehreren US-Interventionen. – Wieder zuhause angekommen, hieß es bald, schaut mal in das Fußballspiel Frankreich-Deutschland rein, da hat es Detonationen gegeben …

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Am Samstagabend eröffnete Andrea van Bebber den Konzertabend mit ihrer Band im Bammentaler Familienzentrum mit der Frage: Wie können wir heute abend Liebeslieder singen, angesichts der schrecklichen Untaten von Paris in der Nacht zuvor. Wie wohl andere bei anderen Konzerten, gab sie die Antwort: Gerade deswegen müssen wir von der Liebe singen. So wehren wir uns gegen den Hass und die Gewalt. Der Beifall des Publikums gab ihr recht und so wurden die Lieder Andreas und die Gospels des zunächst auftretenden Chores Taktvoll zu einem Signal der Liebe gegen den Hass. Die Spenden am Ausgang gingen zur Hälfte an das Familienzentrum, die andere Hälfte an die Flüchtlingshilfe durch jAsyl.

Solidarität mit den Opfern in Bagdad, Beirut, Istanbul, Mubi, Paris

Solidarität mit den Flüchtlingen


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